Nutzen und Lasten ungleich verteiltUm den Umgang der Entwicklungs- und Schwellenländer mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen besser zu verstehen, kamen auf der Veranstaltung zahlreiche Vertreter aus Lateinamerika, Afrika und Asien zu Wort. Sie schilderten Erfahrungen aus ihren Ländern. Moises Benessene, Direktor des nationalen Wetterdienstes von Mosambik, zeichnete ein düsteres Bild seines Landes: 60 Prozent der Menschen würden unter der Armutsgrenze leben und hätten keine Mittel, sich gegenüber Wetterkatastrophen abzusichern. „Die Folgen von Naturkatastrophen sind verheerend für arme Länder“, berichtete Benessene. Linderung böten nationale und regionale Katastrophenvorsorgeprojekte, wie beispielsweise den von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zusammen mit Münchener Rück Stiftung aufgebauten Hochwasserwarnsystem entlang des Flusses Búzi in Mosambik. Langfristig bedroht der Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung. So befürchtet Benessene, dass geringere Niederschläge die Produktion von Agrargütern und damit das Ziel gefährden, die Zahl der Menschen unterhalb der Armutsgrenze bis 2009 auf 45 Prozent zu senken. Ähnlich ist die Situation in Benin, wo etwa 70 Prozent der Menschen auf dem Land leben. Regenwasser ist dort, wie auch in anderen Ländern südlich der Sahara, häufig die einzige Wasserquelle. Mit dem Klimawandel verschieben sich die Jahreszeiten, es regnet weniger oder heftiger. Weil Reservoirs fehlen und das Wassermanagement unzureichend ist, sinken die Länder noch tiefer in die Armut. So ist in Benin innerhalb der letzten Jahre die Produktion von Baumwolle, einem wichtigen Exportgut, drastisch zurückgegangen. Geld fehlt jetzt nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für Bildung und Gesundheit. Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen um gute Böden und Wasser nehmen zu, der Migrationsdruck auf die Städte wächst. Auch im Niger, welches zu den ärmsten Ländern der Erde gehört, ist die Lage dramatisch. 2005 waren vier Millionen Menschen vom Hunger bedroht, die Wasserressourcen haben sich nach Expertenschätzung in den letzen 35 Jahren halbiert. Der Regen fällt entweder zu früh oder zu spät, die Bauern wissen nicht mehr, wann und was sie säen sollen. Fallen die Niederschläge sintflutartig, droht ebenfalls Gefahr: 2007 traten in Burkina Faso so häufig wie noch nie Überschwemmungen auf. Sie richteten nicht nur erhebliche Schäden an, sondern begünstigten auch die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria. Die Konferenzteilnehmer aus diesen Ländern pochten auf dem Recht zur wirtschaftlichen Entwicklung, zumal sie bislang kaum Emissionen verursachen. Ihren Schwerpunkt beim Klimaschutz sehen sie in geeigneten Anpassungsmaßnahmen. Durch Aufklärung und Bildungsprogramme versuchen die Regierungen, die Bevölkerung für die Umweltproblematik zu sensibilisieren. Doch bislang steht nach Einschätzung von Experten viel zu wenig Geld für umfassende Maßnahmen zur Verfügung, insbesondere für solche Projekte, die die Verwundbarkeit der Landbevölkerung verringern. Allerdings zeigt sich auch, dass die Bedrohungen des Klimawandels noch nicht in allen Köpfen angekommen sind, sondern von anderen Problemen in den Hintergrund gedrängt werden. So halten die Menschen in Guatemala laut einer Befragung aus dem Jahr 2006 Kriminalität, insbesondere in den Städten, häufig für gefährlicher als Naturkatastrophen und Klimawandel. Der Wille, Maßnahmen zum Klimaschutz zu entwickeln, ist dementsprechend gering. „Das arktische Eis mag schmelzen, Zentralamerika ist aber weit davon entfernt“ brachte es Juan Carlos Villagran vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der United Nations University in Bonn auf den Punkt. Für die Bevölkerung sei Klimaänderung noch etwas, was sie weder richtig wahrnehmen noch begriffen. „Viele Naturkatastrophen werden nach wie vor als unvermeidbar oder sogar als Bestrafung Gottes gesehen. Dabei wäre es wichtig, dass die betroffenen Menschen erkennen, welchen Beitrag sie etwa durch Abholzung zu mancher Wetterkatastrophe beitragen“, erklärte Villagran. Weiter zu Seite 3 von 4
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