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Dialog im "Fishbowl"
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Prof. Dr. Johannes Müller, Heitor Matallo Junior
01Dialog im "Fishbowl"
02Prof. Dr. Johannes Müller, Heitor Matallo Junior
Schwellenländer auf dem Sprung

Auch wenn der CO2-Ausstoß pro Kopf in den Schwellenländern noch deutlich unter dem Niveau der Industriestaaten liegt, zeigt das Beispiel China, wie schnell die Emissionen zunehmen. In den 90er Jahren zum Nettoimporteur von Energie geworden, liegen die Treibhausgasemissionen des bevölkerungsreichsten Landes der Erde seit 2006 höher als in jedem anderen Land. Hauptenergieträger ist die Kohle, der Verbrauch dürfte nach Expertenschätzung bis 2020 auf etwa zwei Milliarden Tonnen jährlich steigen. Um das wachsende Verkehrsaufkommen zu bewältigen – nach konservativen Prognosen werden 2020 rund 150 Millionen Fahrzeuge über die Straßen rollen, rund acht mal mehr als 2004 – werden jedes Jahr 2.000 Kilometer neue Autobahnen gebaut. „China hat aber erst eine Kraftfahrzeugdichte, wie sie in Deutschland Anfang der 60er Jahre erreicht war“ weist Chuan Chi, Geschäftsführer des deutsch-chinesischen Kooperationsbüros für Industrie und Handel, hin. Er deutet damit an, dass die Entwicklung lange noch nicht abgeschlossen sein wird.

Wollen die Schwellenländer Anschluss an die Industrieländer gewinnen, geraten für das Weltklima wichtige Naturressourcen in Gefahr. So verfügt Brasilien mit dem größten Regenwaldgebiet der Erde über zwölf Prozent der globalen Wasserressourcen. Doch schätzungsweise 182.000 Quadratkilometer des Landes –rund 2/3 der Fläche Deutschlands – sind von Wüstenbildung bedroht, was viele Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zwingt. Sie drängen in das Amazonasgebiet und holzen immer mehr Regenwald ab, um Weideland für ihre Viehherden zu gewinnen. Seit den 70er Jahren wurden so schätzungsweise 600.000 Quadratkilometer Regenwald zerstört, ein Viertel davon – eine Fläche größer als Griechenland – allein zwischen 2000 und 2006. „Der notwendige Technologietransfer für einen umweltfreundlichen Ackerbau fand nicht statt“, beklagte Heitor Matallo vom Sekretariat der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD). Zudem fehle eine Umweltüberwachung auf nationaler oder lokaler Ebene, und es mangle an Geld für langfristigen Umweltschutz und zur Armutsbekämpfung.

Was ist gerechter Klimaschutz?

Maßstäbe für eine gerechte Klimapolitik skizzierte Prof. Johannes Wallacher vom Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie in München. Er versteht den Klimawandel als ein globales, interdependentes Umweltproblem, weil sich im Gegensatz zur Wasserproblematik weder die negativen Folgen der Treibhausgasemissionen noch die positiven Auswirkungen von Klimaschutz räumlich beschränken lassen. Dadurch entstehe der Anreiz zum „Trittbrettfahren“ also zur Nutzung positiver Effekte, ohne selbst etwas dazu beizutragen zu müssen. „Es besteht gemeinsamer Handlungsbedarf, da kein Land das Problem alleine lösen kann. Ein Ausweg kann nur darin bestehen, auf kurzfristige Eigeninteressen zugunsten langfristiger Gemeinwohlinteressen zu verzichten“, forderte Wallacher.

Eine effektive und gerechte Klimapolitik setzt objektive Maßstäbe auf Basis des Konzepts von Menschenwürde und Menschenrechten voraus. Diese sind aus verschiedenen ethischen Traditionen begründbar und lassen sich auf unterschiedliche Kulturen übertragen. Ansätze zum Schutz des Klimas müssen unter den Aspekten der Bedarfs-, Chancen- bzw. der Entwicklungs- und Verfahrensgerechtigkeit bewertet werden. Zudem muss Klimapolitik auf internationaler Ebene entwicklungsadäquat sein, also bestimmte Entwicklungen fördern. Gleichzeitig ist eine intra- und intergenerationelle Gerechtigkeit zu berücksichtigen, damit heutige und künftige Generationen nicht ihrer Chancen beraubt werden.

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Klimawandel und Gerechtigkeit

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