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Dr. Patrick Illinger und Prof. Max Huber
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Expertenrunde: Dr. Patrick Illinger, Thomas Loster, Elisabeth Weiß-Söllner, Prof. Max Huber
01Dr. Patrick Illinger und Prof. Max Huber
02Expertenrunde: Dr. Patrick Illinger, Thomas Loster, Elisabeth Weiß-Söllner, Prof. Max Huber

Wie lernt der Münchner? - Bildungsarmut versus Privatschulen

Dialogforum „München 2030“ am 11. März 2008

Man lernt nie aus. Das dachten wohl auch über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger beim vierten Themenabend des Dialogforums „München 2030“. Dabei wurde deutlich, dass Bildung als Grundlage vieler Lebensbereiche den Schlüssel für Erfolg oder Misserfolg bereithält. München muss wie andere Großstädte in diesem Zusammenhang zahlreiche Herausforderungen meistern, hat aber im globalen Kontext einzigartige Chancen.

Gleich zu Beginn seines Impulsreferats formulierte Prof. Max Huber, Vizepräsident des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), das Thema um: „Ich werde mich an der Jahreszahl 2022 orientieren –dann liegen die für München wichtigen Olympischen Spiele 50 Jahre zurück.“ Sie haben in der bayerischen Landeshauptstadt beste Voraussetzungen geschaffen – vor allem im Hinblick auf die Entwicklung von Infrastruktur, Wirtschaft und Kultur.

Wettbewerb um kluge Köpfe

Bildung sei mehr als nur Wissen und in unserer globalisierten Welt wichtiger denn je, erklärte Huber. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren habe sich die Welt rasant verändert und einen Wettbewerb auf dem globalen Bildungs- und Forschungsmarkt in Gang gesetzt, der letztlich zu einem Kampf um die besten Experten geführt hat. Derzeit nähmen die USA im Wettstreit um die besten Talente eine Vorreiterrolle ein: 50 Prozent der Post-Doktoranden stammen aus dem Ausland, und auch bei den Spitzenuniversitäten seien die USA mit Harvard, Princeton oder dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston führend.

„Gerade bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien drängen auf die globalen Märkte und sie haben schlichtweg mehr Köpfe, also auch mehr kluge Köpfe“, fuhr Huber fort. In diesen Ländern gebe es eine enorme Dynamik und einen großen Bildungshunger. „Heute studieren bereits rund fünf Millionen Asiaten an anerkannten Universitäten im Ausland, 2025 werden es sieben Millionen sein.“ Die derzeit etwa zwei Millionen ausländischen Studenten in Deutschland seien willkommen, sie brächten Wissen und ihre Kultur mit. Nach der Rückkehr in die Heimat wirke sich ihre emotionale Verbundenheit mit Deutschland positiv auf die wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen aus.

Bildung kostet Geld

„Gute Bildung kostet Geld“, weiß Huber, „die ETH Zürich hat halb so viele Studenten wie die Freie Universität in Berlin, aber dreimal mehr finanzielle Mittel. Und Investitionen zahlen sich später mehrfach aus. Wir haben unsere Hochschulen in den letzten Jahrzehnten verarmen lassen.“

Die Münchner Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner ergänzte, dass der Wettbewerb um kluge Köpfe auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt groß sei, in München sei das nicht anders. Spitzenleute seien gefragter denn je. Deshalb ihre Forderung: „Bildung ist ein lebenslanger Prozess, für den bereits im Kindesalter die Weichen gestellt werden. Wir müssen also im Elementarbereich ansetzen.“

Auf den ersten Blick sind die Zahlen für München viel versprechend, wie der 1. Münchner Bildungsbericht aus dem Jahr 2006 zeigt. 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen die Hochschulreife, in Bayern liegt die Quote bei nur 32 Prozent. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass 23 Prozent der Münchner Schüler gering qualifiziert seien. „Auch in München besteht ein enger Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Herkunft“, berichtet die Expertin. Die Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund – immerhin 35 Prozent in München – ist deutlich geringer. Besonders signifikant sind die Unterschiede bei den Übertrittsquoten in einzelnen Stadtteilen. Während in manchen Stadtvierteln 90 Prozent der Schulkinder auf das Gymnasium wechseln, schaffen dies in anderen Bezirken nur 15 Prozent. „Die schlecht Ausgebildeten von heute sind die Armen von morgen“, mahnte Weiß-Söllner, „wenn wir nicht rechtzeitig investieren, zahlen wir am Ende die Rechnung über Sozialförderung.“ Nur frühe Sprachförderung kann Abhilfe schaffen. Dabei dürfen wichtige Elemente für den späteren Bildungserfolg nicht vernachlässigt werden: Neugierde, Lust auf Lernen und das Denken über den Tellerrand hinaus.

Bildungsvision 2030

In der „Bildungsvision 2030“ wurden Leitlinien für eine zukunftsfähige, großstadtgerechte und weltoffene Bildung festgelegt. Modelle wie Ganztags- und Gesamtschulen sind ein erster Schritt, wie die Pisa-Studie am Beispiel Finnland belegt. Denn eine längere gemeinsame Schulzeit reduziert den Druck auf den Einzelnen, steigert die Motivation und trägt zur optimalen Nutzung von Potenzialen sowie zur besseren Integration bei. Auch der Sozialstatus der Lehrkräfte sowie eine angemessene Bezahlung gehören zum Erfolgsrezept. „In Finnland dürfen nur hoch qualifizierte Menschen den Lehrerberuf ergreifen und Lehrkräfte genießen dort ein deutlich höheres Ansehen als hierzulande“, erklärte Weiß-Söllner. Privatschulen alleine könnten die Probleme nicht lösen. Vielmehr sei es eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Schulen, eine breite und gute Ausbildung zu gewährleisten. „Für gute Erfolge brauchen wir auch die Eltern, das kulturelle Kapital hat einen unschätzbaren Wert“.

Chance für München

Das unterstrich auch Prof. Huber. Kultur sei ein Trumpf im internationalen Wettbewerb. Nur kluge Köpfe zusammenzustecken reiche nicht aus – das habe schon der frühere indonesische Präsident Jusuf Habibie feststellen müssen, als er im Land eine moderne Flugzeugindustrie aufbauen wollte. „Einen Airbus kann man nur entwickeln, wenn viele Rahmenbedingungen passen. Kultur ist ein zentrales Element“, sagte Huber. So gesehen habe München mit seinen zwei Exzellenzuniversitäten eine echte Chance im Wettbewerb. „Lebensqualität, Hochschulen, Forschungszentren und ein angenehmes Umfeld für die Angehörigen der Spezialisten sind reichlich vorhanden“. Stadtschulrätin Weiß-Söllner fasste es folgendermaßen zusammen: „In unseren Kindern stecken viele Potenziale. Wenn wir es schaffen, die Schulbildung stärker auf die kommunalen Bedürfnisse zuzuschneiden und Eltern mit Lehrern kooperieren, können wir verborgene Schätze heben. Investitionen sind eine wichtige Voraussetzung, soziale Kompetenz wertvolles Kapital.“

11. März 2008

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> Martina Mayerhofer