Flutwarnsystem in MosambikÜberschwemmungskatastrophen haben in den vergangenen Jahrzehnten signifikant zugenommen, jeden Tag erreichen uns dramatische Bilder – Häuser unter Wasser, Menschen in Not. Gute Frühwarnsysteme sind ein zentraler Bestandteil effektiver Prävention. In Mosambik unterstützen wir den Aufbau eines einfachen, aber effektiven Frühwarnsystems. Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Rund 70 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 0,40 US$ pro Tag. Nur rund ein Viertel (23 %) der Menschen wohnt in Städten, womit Mosambik eine der niedrigsten Urbanisierungsraten der Welt hat. In einem 17 Jahre dauernden Bürgerkrieg, der 1992 endete, und in Konflikten mit Südafrika verlor mindestens eine Million Menschen ihr Leben; große Teile des Landes und der Infrastruktur wurden verwüstet. Das Land wird außerdem regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht. Neben Zyklonen, die jedes Jahr den Südosten des afrikanischen Kontinents treffen, traten in den vergangenen Jahren schwere Dürren auf. Bei großen Überschwemmungen in den Jahren 2000 und 2001 kamen mehrere hundert Menschen ums Leben, unter anderem am Búzi in Zentralmosambik. Weit mehr verloren ihre Lebensgrundlage. Projektskizze und aktueller Projektstand Unser Projekt „Flutwarnsystem Mosambik“ unterstützte den Aufbau eines einfachen Warnsystems am Búzi, das auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten wurde. Die Struktur des Systems ist bestechend einfach: An strategischen Punkten im Einzugsgebiet des Búzi messen eigens berufene Verantwortliche aus den Dörfern den Tagesniederschlag. Zugleich werden einfach ablesbare Pegelmesser am Búzi überwacht. Bei kritischen Niederschlagsintensitäten oder Wasserpegeln senden sie eine Meldung per Funk. Treffen an der zentralen Koordinierungsstelle Meldungen ein, die Flächenniederschläge vermuten lassen, wird eine Warnung ausgesprochen – die Pegelmarken am Fluss sind wichtige Kontrollstellen. Die Bevölkerung wird in speziellen Schulungen für das Risiko sensibilisiert. Bei Flutwarnung hisst man farbige Flaggen, vorbestimmte Helfer schwärmen aus und verbreiten mit Megaphonen die Warnung, kritische Gebiete werden geräumt. Bisher wurden in mehreren Dörfern im Flusseinzugsgebiet des Búzi lokale Katastrophenvorsorgegruppen gebildet. Den Aufbau unterstützten letztes Jahr Experten aus Honduras, die in ihrem Heimatland selbst erfolgreich ein gleichartiges lokal gesteuertes System errichtet haben. Das Wissen aus erster Hand kommt an. Die mittelamerikanischen Fachleute erstellten Ausbildungsmaterial und koordinieren die Informationsflüsse zwischen den Akteuren in den Dörfern, dem Distrikt und der Provinz. Ein wichtiges Anliegen des Projekts ist, auch Frauen in die Teams einzubinden, um ihre Rolle in den Dorfgemeinschaften bzw. in der Gesellschaft zu stärken. Ende 2005, noch vor der Regensaison, wurde das System getestet. Projektpartner vor Ort Wir setzen auf vorhandene Strukturen und die Erfahrung renommierter Organisationen. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) arbeitet seit 1998 in Mosambik. Ein groß angelegtes Programm fördert die ländliche Entwicklung und bekämpft die Armut. Experten der GTZ und des World Institute for Disaster Risk Management (DRM) bauten – zusammen mit lokalen Kräften – das Warnsystem auf. Wichtig ist, dass die Menschen im Distrikt Búzi die Maßnahme annehmen (Ownership). Dorfälteste, Bürgermeister und der Distriktpräsident tragen und fördern das Projekt, eine wichtige Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg. Freiwillige Mitarbeiter der Münchener-Rück-Außenstelle in Südafrika begleiteten das Vorhaben und führten das Monitoring durch. Ausblick Im nächsten Schritt soll das Frühwarnsystem konsolidiert und eine Ausdehnung auf den Distrikt Caia am Sambesifluss im Zentrum des Landes geprüft werden. Gefährdungskarten für den Búzi sollen erstellt werden. Ferner wollen die Münchener Rück Stiftung und die gtz einen Distriktberatungsservice für Katastrophenvorsorge in Kooperation mit dem nationalen mosambikanischen Institut für Katastrophenmanagement (INGC) aufbauen. Dieses Projekt, das auch in andere exponierte Regionen übertragen werden kann, erfüllt wesentliche Förderkriterien der Stiftung: ausgereiftes Know-how, geklärte Verantwortlichkeiten und anschauliches Informationsmaterial. Die Menschen am Búzi sind bestens gerüstet, wenn es gelingt, ihr Risikobewusstsein aufrechtzuerhalten. |