Pressemitteilung - 18. November 2005Das Internationale Symposium der Münchener Rück Stiftung einigt sich auf die Hohenkammer-Charta, welche die zehn wichtigsten Aspekte für die Optimierung der weltweiten Katastrophenvorsorge enthält. 100 Experten aus aller Welt fordern umfassende Maßnahmen auf dem Symposium „Weltweite Katastrophenvorsorge – Risikobewusstsein ist der Schlüssel“.2004 und 2005 gab es so viele Todesopfer und Sachschäden wie nie zuvor. Megakatastrophen wie der verheerende Tsunami vom Dezember 2004 und Hurrikan Katrina, der im August 2005 in New Orleans wütete, veranlassten die 100 Teilnehmer aus 30 Ländern, darunter führende Vertreter internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, Finanzexperten und Praktiker, den Dialog zu verstärken. Vertreter unter anderem des Internationalen Roten Kreuzes, der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), der Vereinten Nationen und der Weltbank sowie Versicherungsexperten diskutierten auf dem Internationalen Symposium zum Thema „Weltweite Katastrophenvorsorge – Risikobewusstsein ist der Schlüssel“. Investitionen in ein besseres Risikobewusstsein sind essentiell, damit die Ka-tastrophenvorsorge weltweit besser funktioniert. Nur wenn Menschen in gefährdeten Gebieten über die Folgen von Erdbeben, Wirbelstürmen und Überflutungen aufgeklärt sind und wissen, wie sie sich schützen können, besteht die Chance, langfristig die dramatischen Auswirkungen deutlich zu reduzieren. Persönlichkeiten wie Irmgard Schwaetzer (DKKV), Bernd Eisenblätter (GTZ), Salvano Briceno (UN-ISDR) und Johan Schaar (IFRC) unterstrichen die Bedeutung der Partnerschaft von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der Betroffenen zur Lösung zentraler Fragen in der Risikoprävention. Am Ende der Tagung einigten sich die Fachleute auf die Hohenkammer-Charta, welche die 10 größten Herausforderungen der Zukunft formuliert. Einer der wichtigsten Punkte ist Kooperation. „Katastrophen sind unvermeidbar; wir müssen uns darauf vorbereiten“, sagte Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung. „Wir können viel Leid mindern, aber nur, wenn wir gemeinsam anpacken.“ Auf dem Risikosymposium der Stiftung wurde mit der Charta ein wichtiger Grundstein gelegt, um weltweite Anstrengungen besser zu bündeln und zu fokussieren. So ist es gelungen, bevor das schadenträchtige Jahr 2005 zu Ende geht und sich der Tsunami von 2004 jährt, die Arbeitspakete gemeinsam zu schnüren. Die Stiftung des weltweit führenden Rückversicherers, der Münchener Rück, mit Sitz in München hat im April dieses Jahres ihre Arbeit aufgenommen. Sie baut auf dem 125-jährigen Wissen der Stifterin auf und will dieses Wissen in Handeln umsetzen. Zentrales Ziel ist, Risiken von Menschen weltweit zu reduzieren und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Hohenkammer-ChartaDie 10 größten Herausforderungen für optimierte Risikoprävention 1. Armut: Menschen, die in Armut leben, sind besonders verletzlich. Armutsbekämpfung ist deshalb ein Schlüsselelement. 2. Menschen: Bemühungen in der Katastrophenvorsorge müssen bei den Menschen in den Risikogebieten ansetzen. 3. Entscheidungsträger: Engagement der Entscheidungsträger auf Gemeinde- bis Regierungsebene ist die Grundvoraussetzung dafür, funktionierende Vorsorgemaßnahmen rasch umzusetzen. 4. Dialog: Der Meinungsaustausch zwischen den Beteiligten muss vorangetrieben werden, um ein gleiches Verständnis für Probleme und Lösungen zu entwickeln. 5. Partnerschaften: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und die Betroffenen müssen mehr und besser zusammenarbeiten: Bündnisse – Public-Private Partnerships – müssen mit Leben gefüllt werden. 6. Entwicklungspolitik: Risikoprävention muss als zentraler Maßnahmen-bestandteil in der Entwicklungszusammenarbeit und nationalen Programmen ausgewiesen und in diese implementiert werden. 7. Verbreitung: Vielversprechende Ansätze des risikogerechten Vorbeugens auf Gemeindeebene, die heute bereits existieren, müssen rund um den Globus übernommen und verbreitet werden. 8. Anreize: Politische, rechtliche und wirtschaftliche Anreize sind notwendig, um Investitionen in Katastrophenprävention zu unterstützen und die Prozesse zu beschleunigen. 9. Versicherung: Risikotransfer wie Versicherungen und Solidargemeinschaften hilft, die Verletzlichkeit von Regierungen und Menschen in Risikosituationen zu reduzieren. 10. Bewusstseinsbildung: Risikobewusstsein ist der Schlüssel für adäquate Maßnahmen, bevor sich Katastrophen ereignen.
Gez. Thomas Loster, Geschäftsführer, Münchener Rück Stiftung
DKKV Deutsches Komitee für Katastrophenvorsorge
GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
IFRC The International Federation, the National Societies and the International Committee of the Red Cross
UN-ISDR United Nations – International Strategy for Disaster Reduction |