Wasser und Gesundheit: Überlebenskrisen in einer Megastadt SüdindiensÜberschwemmungen während des Monsuns, Wasserknappheit in der Trockenzeit, verseuchtes Wasser, fehlende Abwasserbeseitigung – im Spannungsfeld vielschichtiger Wasserkrisen kämpfen die Menschen in der südindischen Megastadt Chennai um den Erhalt ihrer Gesundheit. Die Münchener Rück Stiftung leistete die Anschubsfinanzierung für ein Forschungsprojekt, das die Gesundheitsrisiken armer Stadtbewohner mindern möchte.Megastadt Chennai – ein RisikoraumDie Megastadt Chennai, am Golf von Bengalen gelegen, ist eine rasant wachsende Wirtschaftsmetropole, deren Entwicklung durch eine zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich und die Ausgrenzung großer Teile der Stadtbevölkerung gekennzeichnet ist. Während der boomende IT Sektor eine wohlhabende urbane Mittelschicht heranbildet, wächst zeitgleich die Anzahl verwundbarer Bevölkerungsgruppen an, die sich an marginalen Standorten der Stadt ansiedeln müssen. Diese Menschen leben meist in prekären Verhältnissen. Sie verfügen oft nicht über ausreichende Möglichkeiten zur Bewältigung von Krisen, denen sie immer wieder und immer häufiger ausgesetzt sind. Deutlich wird dies bei der Betrachtung der wasserbezogenen Risiken in Chennai: Von der verheerenden Wasserknappheit, unter der die Stadt leidet, sind insbesondere die Bewohner von Marginalsiedlungen betroffen. Denn während den wohlhabenden Bevölkerungsschichten im Durchschnitt mehr als 300 Liter pro Kopf und Tag zur Verfügung stehen, müssen die Slumbewohner zum Teil mit lediglich 16 Liter Wasser auskommen. Dafür haben sie sogar noch einen höheren Preis zu zahlen. Darüber hinaus sind die Bewohner der Slumsiedlungen in den tief liegenden Gebieten und an den Flussufern der Stadt besonders betroffen von den Überschwemmungen, die die tropischen Zyklone während des Monsuns nach sich ziehen. Sie verlieren dabei nicht nur ihr Hab und Gut, sondern leiden auch unter vielfältigen Gesundheitsproblemen wie Malaria, Durchfall, Typhus, da ihr Trinkwasser stark verschmutzt wird und sich Erreger verbreiten. ProjektskizzeDas Forschungsprojekt legt den Fokus auf die Gesundheit verwundbarer Bevölkerungsgruppen, die mit wasserbezogenen Risiken leben. Einerseits ist Wasser ein fundamentales Gut, ohne das Leben nicht möglich wäre. Wasser erfüllt zudem grundlegende menschliche Bedürfnisse, die von der Ernährung über die Hygiene bis hin zur gewerblichen Nutzungen reichen. Von Wasser gehen andererseits jedoch auch zahlreiche Risiken für die Gesundheit der Menschen aus. Gerade Gesundheit ist für die verwundbaren Gruppen, die häufig nichts besitzen außer ihrer Arbeitskraft, eine kritische Ressource für das Überleben. Die ersten empirischen Analysen haben ergeben, dass Beeinträchtigungen von Gesundheit nicht nur zu Einkommenseinbusen führen, sondern eine erhebliche zusätzliche Belastung für die Haushalte z. B. durch Behandlungskosten bedeuten, denen sie oft kaum gewachsen sind. Das Forschungsprojekt geht daher der Frage nach, wie Menschen, die dauernd mit Wasserrisiken leben, handeln, um ihre Gesundheit zu schützen. Welchen Zwängen sind sie bei ihren Handlungen ausgesetzt und über welche Möglichkeiten verfügen sie? Wie können ihre Handlungschancen vergrößert werden? Wie lassen sich die Wasserkrisen mindern? Wie lassen sich Wege finden, die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegenüber wasserbezogenen Gesundheitsrisiken zu stärken. AusblickNach der ersten von der Münchener Rück Stiftung mitfinanzierten Feldforschung, bei der die Möglichkeiten und Grenzen des Forschungsprojektes ausgelotet und erste Erhebungen durchgeführt wurden, wird das Vorhaben seit Oktober 2006 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Kooperationsprojekt zwischen der Universität Bonn und der Madras University finanziert. Dies ermöglicht, dass auch eine indische Doktorandin in das Projekt eingebunden sein wird. KontaktProf. Dr. H.-G. Bohle Prof. Dr. T. Vasantha Kumaran Patrick Sakdapolrak Jaganathan |