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Doktoranden aus China, Indien, Brasilien, Mexiko, Ecuador, USA und Deutschland
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01Doktoranden aus China, Indien, Brasilien, Mexiko, Ecuador, USA und Deutschland
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Erste Sommerakademie in Hohenkammer

Wasser und Naturkatastrophen: Soziale Verwundbarkeit und Stärkung der Widerstandskraft

Das Wissen um die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Ressourcen und Naturgefahren ist zukunftsentscheidend. Deshalb veranstalteten die Universität der Vereinten Nationen (UNU) und die Münchener Rück Stiftung erstmals eine Sommerakademie über soziale Verwundbarkeit. Sie bot Gelegenheit für Fachexperten aus aller Welt, neue Ansätze zu komplexen Themen wie mehr Sicherheit für die Menschen sowie Widerstandsfähigkeit und Flexibilität gesellschaftlicher Systeme im Katastrophenfall zu entwickeln.

Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und Wirbelstürme – nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Intensität dieser Naturereignisse nimmt ständig zu. 2005 war das schadenreichste Jahr seit Menschengedenken – Hurrikane wie Katrina, Rita und Wilma hinterließen in den USA und der Karibik eine Spur der Verwüstung.

Risikowahrnehmung und soziale Verwundbarkeit
Wegen solcher Naturgewalten und der immer knapperen Ressourcen steigt die soziale Verwundbarkeit der Menschen – ob sie in traditionell geprägten ländlichen Strukturen oder in Megastädten leben. Und weil sich die Risikowahrnehmung von Region zu Region sehr stark unterscheidet, ist die Forschung gefragt. Denn nur wenn wir wissen, wie sich die Widerstandkraft der Gesellschaft erhöhen und die Sicherheitsvorkehrungen verstärken lassen, können Naturkatastrophenschäden verringert und Menschenleben gerettet werden. Vor diesem Hintergrund haben es sich die Universität der Vereinten Nationen in Bonn und die Münchener Rück Stiftung zur Aufgabe gemacht, die weltweite Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Die Sommerakademie vom 23. bis 29. Juli 2006 auf Schloss Hohenkammer bei München bot einer Expertenrunde das dafür geeignete Umfeld. Der Schwerpunkt der Diskussionen und Workshops lag dabei auf Naturkatastrophen, die durch Wasser ausgelöst werden.

Wissenstransfer
Zehn Professoren und 25 Jungwissenschaftler, darunter Doktoranden aus China, Indien, Brasilien, Mexiko, Ecuador, den USA und Deutschland, machten die einwöchige Akademie zum interdisziplinären Forum. Die Teilnehmer setzten sich vor allem mit Aspekten wie Wasserver- und Entsorgungssicherheit, Hochwasser und Dürre, Armut und fehlender Risikowahrnehmung auseinander. Einen besonderen Raum nahmen die interdisziplinäre Analyse und die Suche nach nachhaltigen Verbesserungsvorschlägen ein. Grundlage der Diskussionen bildeten Vorträge hochkarätiger Seniorwissenschaftler. So referierte etwa Hans-Georg Bohle, Professor für Geographie an der Universität Bonn, über das Thema „The Vulnerability – Violence Nexus“. Professor Ben Wisner, einer der Urväter der Vulnerabilitätsforschung, behandelte das Thema „Water as Resource and Resistance – Can we solve the universal solvent?“. Prof. Dr. Úrsula Oswald-Spring (Nationale Universität Mexiko), die den einzigen Lehrstuhl für menschliche Sicherheit besetzt, ging in ihrem Vortrag „Vulnerability and Resilience Building of Gender“ speziell auf die Rolle der Frauen ein, die neben Kindern und alten Menschen am häufigsten unter den Katastrophenopfern sind. Gleichzeitig sind es gerade die von Frauen in vielen Ländern geknüpften Solidaritätsnetze, die das Überleben im Katastrophenfall sichern. Hier müsse die Politik ansetzen, wenn die Verwundbarkeit von Familien, Dörfern und ganzen Regionen verringert werden soll.

Forschung für die Praxis
Bei der Sommerakademie erhielten Jungwissenschaftler die Chance, ihre Arbeiten Experten aus aller Welt vorzustellen. Dadurch gewannen sie ein Gefühl für den Stellenwert der eigenen Forschung und konnten darüber hinaus ihr Weltbild vervollständigen sowie die Ziele der UNU verinnerlichen. Im Mittelpunkt standen aber die noch laufenden oder gerade abgeschlossen Doktorarbeiten der jungen Forscher. Kontroverse Auffassungen brachte das Thema „Social Vulnerability Theory“ zum Vorschein. Dabei wurde deutlich, dass eine strenge theoretische Einbettung, Geschichtsverständnis und die profunde Kenntnis der Fachliteratur notwendig sind. Andererseits legten gerade die Jungwissenschaftler Wert auf die Forderung, dass die Forschung ihren Praxisbezug nicht verlieren dürfe. Anhand vergangener Großkatastrophen, wie den Elbe-Überschwemmungen im Jahr 2002 in Deutschland, Hurrikan Katrina in New Orleans (2005) oder den verheerenden Tsunamis in Südostasien (2004 und 2006), thematisierte die Sommerakademie auch das Problem der unterschiedlichen Risikowahrnehmung bestimmter Bevölkerungsgruppen und die daraus entstehenden sozialen Dimensionen.

Wissenschaft und Politik
Das Thema „Measuring the Unmeasurable“ polarisierte: Auf der einen Seite gab es die eher geisteswissenschaftlich geprägten Forscher, auf der anderen die eher zahlengetriebenen wie Ingenieure und Geowissenschaftler. Unstrittig war jedoch, dass die Politik auf Zahlen angewiesen ist, die möglichst aussagekräftig sein müssen. Im Anschluss daran konnten die Teilnehmer in einem Rollenspiel die praktischen Probleme zwischen Politik und Wissenschaft selbst erfahren. Interessant war dabei, dass die Kommunikation zwischen beiden Gruppen selbst im Rollenspiel hakte. Das Fazit: Die Wissenschaft muss wissen, was genau sie der Politik liefern will und soll, und die Politik muss klar formulieren, was sie von der Wissenschaft braucht. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Politik wichtigen Ergebnisse der Forschung berücksichtigt.

Die Sommerakademie, die auch künftig stattfinden soll, hat ihr Ziel erreicht, indem sie der immer wichtigeren Vulnerabilitätsforschung Impulse gegeben hat. Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung, und Prof. Janos Bogardi, Direktor der UNU in Bonn: „Die Akademie darf aber nicht nur eine akademische Übung sein, sie soll auch dazu beitragen, Lösungen für die Menschen im Risiko aufzuzeigen und die Politik zu stimulieren, diese Fragen in den politischen Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.“