Zweite Sommerakademie: Herausforderung MegacityJungwissenschaftler erarbeiten LösungenEnde Juli 2007 trafen sich zwei Dutzend Jungwissenschaftler aus 15 Nationen im Schloss Hohenkammer nahe München, um gemeinsam mit international anerkannten Experten Fragen zum Thema „Megastädte: Soziale Verwundbarkeit und Resilienzaufbau“ zu diskutieren.Im Mittelpunkt der zweiten Summer Academy der United Nations University und der Münchener Rück Stiftung standen zunächst die Forschungsansätze und -ergebnisse der Doktoranden aus aller Welt, die aus den verschiedensten Fachrichtungen kamen: Geografen, Psychologen, Anthropologen, Ingenieure und Planer – oft werden erst im Verbund neue Lösungen für bekannte Probleme gefunden. In Megacitys drehen sie sich oft um Armut und Lebensqualität. So vielfältig wie die Teilnehmer, so facettenreich waren die Debatten. Ziel war es, ein maßgeschneidertes Rahmenkonzept „Soziale Verwundbarkeit und Resilienz“ zu entwickeln. Dabei wurden die Ebenen, die für Megastädte wesentlich sind, analysiert und vernetzt betrachtet – der Ausgleich lokaler und globaler Interessen, der Ausgleich zwischen formellem und informellem Sektor sowie der Ausgleich sozialer und ökologischer Interessen. Als Grundlage dienten – neben den Konzepten, die bereits in der Forschung existieren – die Erfahrung und das gesammelte Wissen der Teilnehmer aus aller Welt. Den Höhepunkt der Akademie bildete der Besuch des Bürgermeisters von Kalkutta, der eigens für die Summer Academy nach Deutschland gekommen war. Der Honorable Mayor of Kolkata, Mr. Bhattacharyya, bereicherte mit seinen Erfahrungen die Diskussionen und schilderte, wie die realen Zerrkräfte in den Armutsvierteln die Entscheidungen prägen. In einem simulierten Stakeholder-Prozess wurden die Sachzwänge aller Anspruchsgruppen transparent gemacht. Ein reelles und aktuelles Beispiel stand dafür Pate: die drohende Umsiedlung des größten Slums Asiens, Dharavi in Mumbai, wo mehr als 1 Millionen Menschen leben. Die Teilnehmer schlüpften in die Rollen von Ministerpräsident, Stadtentwicklungsminister, Bürgermeister und debattierten mit Slumbewohnern, Aktivisten und internationalen Investoren. Der Abgleich akademischer Modelle, multidisziplinarer Planung und der blanken Wirklichkeit führte ein ums andere Mal zu tief greifenden „Aha“-Erlebnissen. Am Beispiel der Umsiedlung wird die Diskrepanz zwischen Planung und Realität deutlich. In der Realität ist eine am Reißbrett geplante, scheinbar nahe liegende Platzersparnis durch Umsiedelung der Menschen in mehrstöckige Häuser nicht realisierbar. Viele dieser Projekte schlagen deshalb fehl, weil die Menschen, welche die horizontal geprägte Lebensweise auf engem Raum mit vielen Mitmenschen kennen, nicht zu einer vertikalen und damit anonymisierten Wohnform wechseln wollen. Sie verlassen ihre frisch bezogenen Wohnungen und ziehen zurück in ihr altes Umfeld, Prozesse drehen sich im Kreis. Trotz der gravierenden Probleme in Megastädten – so die Teilnehmer - dürfe nicht vergessen werden, dass die Lebensbedingungen in ländlichen Gegenden oft um einiges schlechter sind als in den Großstädten. Die ärmsten Schichten der Landbevölkerung sind meist Analphabeten und haben deshalb kaum Aussicht auf ein besseres Leben jenseits der Armutsgrenze. Megastädte bieten dagegen Millionen von Menschen Verdienstmöglichkeiten und damit die Chance, ihre Lebensverhältnisse und ihr soziales Netz zu verbessern. Landflucht ist die Folge. Den Vereinten Nationen zufolge steht die Welt deshalb an einem Wendepunkt. Weltweit leben heute bereits mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Megachance – Megacity – Megarisiko. Das Wissen um die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Ressourcen und Verstädterung ist für viele Länder der Erde zukunftsentscheidend. |