Report Sommerakademie 2010Protecting environmental migrants: creating new policy and institutional frameworks25. – 31. Juli 2010 auf Schloss HohenkammerDie Sommerakademie ist der Vulnerabilitätsforschung gewidmet. Ziel ist es, bestehende Lücken in Wissenschaft, Politik und Praxis zu behandeln und Lösungsansätze zu entwickeln. Dabei arbeiten Experten aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern eng zusammen. Die Akademie 2010 setzte unsere Arbeit im Bereich umweltbedingte Migration fort. Bereits 2008 und 2009 hatten wir wichtige Fragestellungen in diesem Kontext behandelt. Das ist angesichts der Tatsache, dass laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Genf rund 175 Millionen Menschen aktuell migrieren, dringend nötig. Gerade der August 2010 führte uns erneut vor Augen, wie dramatisch sich wetterbedingte Katastrophen zuspitzen können. Hitzewellen und massive Waldbrände wie in Russland oder die Jahrhundertflut in Pakistan zwingen immer mehr Menschen in die Migration. Interdisziplinäre Ansätze Äthiopien, Nigeria, Mexiko, USA, Bangladesch, China, Indien, Neuseeland, Belgien, Deutschland, England, Niederlande, Norwegen, Österreich, Rumänien, Schweiz und Ungarn – die Welt zu Gast in Hohenkammer. 20 Jungwissenschaftler und 10 Senior-Experten aus 17 Nationen haben Szenarien entwickelt, wie der Schutz für umweltbedingte Migranten auf internationaler wie auch regionaler Ebene verbessert werden kann. Die Arbeitsgruppen konnten dabei von ihrem reichhaltigen interdisziplinären Wissen profitieren: Rechtswissenschaftler, Anthropologen, Geographen und Soziologen haben ihre Ergebnisse vor international renommierten Experten der IOM, des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und des Europäischen Rates für Migration (CDMG), Brüssel, während der Akademiewoche präsentiert. Im Dialog wurden dann praxistaugliche überzeugende Konzepte fertiggestellt. Neuer Rechtsrahmen für nachhaltige Lösungen Naturgefahren und Herausforderungen, die auch auf den Klimawandel zurückzuführen sind, nehmen global zu. Gleichzeitig bestehen im Bereich der umweltbedingten Migration große Lücken in der Absicherung der betroffenen Bevölkerungsgruppen. Die Akademieteilnehmer sehen es daher als notwendig an, dass von den politischen Entscheidungsträgern adäquate rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen und transparent gemacht werden. Ein Ziel dabei ist es, die Leitlinien für Binnenvertriebene auch für Klimavertriebene anzuwenden und Umsiedlungsstrategien auf nationaler Ebene zu formulieren. Die entsprechenden Pläne sollten öffentlich bekannt gemacht werden, damit sie für alle Interessensgruppen zugänglich sind. Lösungen müssen gemeinsam gefunden werden, Vorschläge auf lokaler Ebene sind wichtiger Bestandteil der Gesamtstrategie. Die Pläne müssen auch Alternativen für diejenigen vorsehen, die ihre Heimat nicht verlassen wollen oder können. Die Teilnehmer der Akademie schlagen vor, auf nationaler Ebene Verantwortliche zur Koordination umweltbedingter Migrationsfragen zu ernennen. Auch muss international die Datengrundlage dringend verbessert werden: eine möglichst vollständige Erfassung von sozialen, kulturellen und umweltbezogenen Indikatoren in den betroffenen Regionen sowie an den Orten der Neuansiedlung bildet die Grundlage für erfolgreiche Planung. Alle Personen und Institutionen, die mit Umsiedlungen befasst sind, benötigen eine gute Schulung, um die Migrationsverantwortlichen auf nationaler Ebene professionell unterstützen zu können. Nur wenn die Bevölkerung Umsiedlungsmaßnahmen wirklich versteht, lässt sich über kurz oder lang auch ihre Bereitschaft zur planmäßigen Migration steigern. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für erfolgreiche Umsiedlungen ist die Pflege des lokalen Kulturguts. Neben diesem sozialen Aspekt gehört zu einer effizienten Umsiedlungspolitik auch die Nutzung von Synergien: Katastrophenmanagement zur Risikominimierung, lokale Anpassungsmechanismen an den Klimawandel und vernünftige Umsiedlungsstrategien gehen Hand in Hand, um zukunftsfähige Entwicklung zu ermöglichen. Denkbare Strategien für internationale Wanderungsbewegungen Wichtig ist vor allem, den Anteil der unplanmäßigen Migration zu begrenzen, um Not und unkontrollierbare Situationen zu vermeiden. Für einen geplanten Ablauf klimabedingter Migration von Land zu Land sind zwei generelle Strategien denkbar: Anpassung und Absicherung. Dies gilt nicht nur für die einzelnen Migranten, sondern ebenfalls für die Ziel- und Ursprungsländer. In Länderpartnerschaften sollten den am stärksten betroffenen Gemeinden Möglichkeiten zur legalen Migration geboten werden. Auch Arbeitsmigration zur Sicherung der Existenzgrundlage muss dabei berücksichtigt werden. Grenzüberschreitende Migration bzw. Abwanderung aufgrund von Wetterextremen im Klimawandel wird unvermeidbar sein. Im Falle einer hohen Zahl an Migranten sind temporäre bilaterale Umsiedlungsprogramme nötig. Diese Programme müssen Schutzregelungen für Bevölkerungsgruppen enthalten, die durch plötzliche Wetterextreme wie Starkregen und Überflutungen oder durch schleichende Ereignisse wie Dürren oder den Meeresspiegelanstieg zur Migration gezwungen sind. Ausblick Die Resultate der Akademie sollen nun während des Globalen Forums für Migration und Entwicklung (GFMD) im November 2010 in Puerto Vallarta, Mexiko, sowie im Dezember 2010 beim Weltklimagipfel COP 16 in Yukatan, Mexiko, zum Einsatz kommen. Die Akademieergebnisse können wichtige Impulse in der politischen Arbeit setzen. Dies ist dringend notwendig, wenn sich Klimaänderung und Migration weiter entwickeln wie bisher. München, 16. August 2010 |