Sommerakademie 2011 – „Climate change in fragile states“Die Anpassung an Veränderungen durch den Klimawandel ist besonders herausfordernd in fragilen Staaten. Wie es gelingen kann, erforschten die 30 internationalen Teilnehmer der Sommerakademie 2011.20 hochqualifizierte Studenten, viele davon Doktoranden, und 10 Fachexperten waren Teilnehmer der sechsten Sommerakademie in Hohenkammer, Deutschland, die von der Münchener Rück Stiftung und der UN-Universität Bonn (UNU-EHS) durchgeführt wurde. Unter dem Titel „Climate Change in Fragile States: Rethinking Adaptation“ (Klimawandel in fragilen Staaten, Überlegungen zur Anpassung) untersuchten die Wissenschaftler aus 15 Ländern, wie sich Umweltveränderungen, Klimawandel, Katastrophen und Anpassungsmaßnahmen in fragilen Staaten wie Somalia, Nepal oder Pakistan auswirken. Durch die Marginalisierung von Bevölkerungsschichten oder -gruppen, fehlende oder korrupte Governancestrukturen oder auch Armut sind diese Länder oft überdurchschnittlich hart von Folgewirkungen betroffen. Selbst in demokratischen Ländern, die als relativ stabil gelten, kann es unter der Oberfläche brodeln. Michelle Leighton von der Universität San Francisco und Lehrstuhlinhaberin 2010 des „Chair on Social Vulnerability“ zeigte in einer Fallstudie zum zentralasiatischen Kirgisistan, wie schwelende Konflikte zwischen ethnischen Bevölkerungsgruppen, vor allem den Usbeken und den Kirgisen, im Jahr 2010 zu einer nationalen Krise geführt haben und somit die Entwicklung gefährden. „Die Realität hat gezeigt, dass manche Staaten viel fragiler sind als erwartet,“ wusste die Rechtsexpertin aus ihrer eigenen Forschung in Kirgisistan zu berichten. Innovative Techniken und neue Lehr- und Präsentationsmethoden Prof. Mohamed Hamza, Direktor des Global Climate Adaptation Partnership (GCAP) und der aktuelle Lehrstuhlinhaber, leitete die Akademie. Unterstützt wurde er von den weiteren Chairs unseres UNU- Lehrstuhlprojekts. Um eine praxisnahe Ausbildung zu gewährleisten, arbeitete er mit zwei Experten von "International Alert", Groß Britannien, zusammen. Die Organisation setzt sich für Friedenssicherung und Konfliktbewältigung weltweit ein. Janani Vivekananda und Richard Reeve konnten mit ihren Erfahrungen aus Zielländern von "International Alert" wie Somalia und Nepal erklären, wie sich trotz Klimawandels und einer unsicheren politischen Lage in fragilen Ländern Friedensmissionen und Anpassungsstrategien umsetzen lassen. Begleitet wurde die Akademie 2011 durch die "Parson The New School for Design", New York City. Der Einsatz innovativer Techniken und neuer Lehr- und Präsentationsmethoden eröffnete den Teilnehmern neue Perspektiven und interdisziplinäre Herangehensweisen an Problemstellungen. Sie wurden in Workshops und bei Fallstudien angewendet und bildeten das Grundgerüst der Arbeitswoche. Lokales Wissen als Schlüsselfaktor für Erfolg Ziel war es, herauszufinden, welche besonderen Hürden in fragilen Staaten überwunden werden müssen, um die Widerstandskraft (Resilienz) der Bewohner zu stärken. Durch schlechten Informationsfluss, korrupte Politiker, unzureichende Infrastruktur, starke Ungleichheiten in der Gesellschaft und Armut bildet sich ein multidimensionaler Komplex an Faktoren, der die soziale Verletzlichkeit der Bevölkerung in fragilen Staaten besonders erhöht. Gleichzeitig verändern sich die Umweltbedingungen durch Raubbau, Klimawandel und andere Faktoren schnell, sodass sich die Bevölkerung kaum daran anpassen kann. Je nach geographischer Dimension (lokal, regional, national, international) müssen die richtigen Ansprechpartner gefunden und vernetzt werden, seien es Vertreter der Vereinten Nationen, nationale oder lokale Politiker oder Nichtregierungsvertreter (NGOs) . Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg, das war ein deutliches Ergebnis der Sommerakademie, ist die Berücksichtigung des lokalen Wissens in all seinen Facetten. Einen ausführlichen Bericht gibt es in Kürze hier auf unserer Webseite. |