Ava Mulla erklärt, wie sie mit nachhaltig produzierten Ziegeln das Leben in Bangladesch etwas besser gestalten will.

Mit Ziegeln die Welt verbessern

Fragen an Ava Mulla

Ava Mulla ist eine junge Unternehmerin aus Deutschland. Sie hat ein umweltfreundliches und kostengünstiges Verfahren nach Bangladesch gebracht, mit dem sich ziegelähnliche Bausteine herstellen lassen. Setzt sich die Idee in großem Stil durch, könnten deutlich mehr Häuser errichtet werden, die Katastrophen besser widerstehen.

Ava, Sie wollen den Markt in Bangladesch mit neuen Ziegelsteinen verändern. Wie kamen Sie auf die Idee?
2014 bin ich nach Bangladesch gereist und habe die vielen Nachteile der traditionellen Ziegelherstellung gesehen. Es ist eigentlich unglaublich, aber es gibt dort rund 8.000 Brennereien, die jedes Jahr 18 Milliarden Ziegel produzieren. Das Problem ist, dass die Herstellungsverfahren aus dem 18. Jahrhundert stammen und daher extrem ineffizient sind.

Warum?
Sie verschlingen pro Jahr 3,5 Millionen Tonnen Kohle und zwei Millionen Tonnen Holz. Bangladesch ist abhängig von Kohleimporten aus Indien und erlebt im eigenen Land eine dramatische lokale Entwaldung. Allein in der Hauptstadt Dhaka stammen 40 Prozent der Feinstaubbelastung aus den alten Brennereien. Das fordert Jahr für Jahr hunderte Tote. Ganz zu schweigen von den oft miserablen Arbeitsbedingungen in den Fabriken und der schlechten Qualität der herkömmlichen Ziegel.

Was ist das Besondere an Ihren Ziegeln, wo liegen die Vorteile?
Die neuen Ziegel basieren auf einer Technik aus den 1950er-Jahren. Im Prinzip handelt es sich um Erde-Zement-Blöcke, sogenannte CSEB (Compressed Stabilized Earth Blocks): Erde wird mit etwas Zement und Wasser vermischt, gepresst und luftgetrocknet. Das spart Ressourcen und reduziert die CO2-Emissionen um 75 bis 90 Prozent. Die fertigen Blöcke sind wesentlich stabiler als Ziegel und lassen sich zudem in verschiedenste Formen pressen, die besser ineinander greifen und äußeren Kräften standhalten. Die mit herkömmlichen Ziegeln gebauten Häuser sind oft nicht katastrophensicher und tragen bei Erdbeben und Zyklonen schnell Schäden davon.

Wie muss man sich eine CSEB-Presse vorstellen?
Eine manuelle Blockpresse ist etwas größer als eine Waschmaschine und kostet etwa 3.000 Euro. Mit einem siebenköpfigen Team kann man am Tag rund 1.500 Erdblöcke herstellen. Nach zwei, drei Tagen hat man genug Blöcke für ein Haus.

Wo liegen die größten Hindernisse in Ihrer Arbeit?
Es gibt verschiedene Herausforderungen, eine davon ist der Preis. 20 Prozent Kostenersparnis gegenüber herkömmlichen Ziegeln ist zwar ganz nett, reicht aber nicht, um wirklich mehr Menschen ein solides und sicheres Haus zu ermöglichen. Denn die meisten Menschen können sich wegen der großen Armut überhaupt keine Ziegel leisten. Sie leben in Wellblechhütten. Außerdem haben viele unserer Kunden Bedenken, was die Qualität der neuen Ziegel anbetrifft. Sie meinen, dass CSEB ein Haufen Erde ist, der sich im Wasser auflöst . Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Sie müssen sich als junge Unternehmerin in Bangladesch durchsetzen. Dabei agieren Sie in einem männerdominierten Sektor. Das ist nicht immer leicht, oder?
Sie sagen es. Das Land ist teilweise sehr konservativ. Es ist sehr ungewöhnlich, dass man als Frau mit 29 nicht verheiratet ist, Motorrad fährt und eine Produktionsstätte leitet, in der vorwiegend Männer arbeiten. Aber die Bangladeschi reagieren zum Glück oft respektvoll und interessiert. Ich erfahre auch Zuspruch und Unterstützung.

Wo sehen Sie Ihre Firma Building Pioneers in zehn Jahren?
So komisch das klingen mag: Ich hoffe, dass sich Building Pioneers in zehn Jahren in Bangladesch überflüssig gemacht hat, weil ganz viele kleine und große Anbieter unsere Idee kopieren und den Markt mit guten und günstigen CSEB versorgen. Die Vorteile sind wirklich klar. Weltweit wurden schon zigtausende Häuser damit gebaut. Es ist ein fantastisches Produkt, das wir aus der Nische holen und auf den Markt bringen müssen.

Und wo sehen Sie sich persönlich?
Das Schöne am Sozialunternehmertum ist, dass wir uns nicht abrackern, um reich zu werden, sondern um ein Problem zu lösen. Vielleicht gelingt es mir, mit meinem Erfolg andere junge Leute zu motivieren oder zu inspirieren. Für mich geht es darum, drängende Probleme unternehmerisch zu lösen. Das kann wichtiger sein, als zum Beispiel in einem Konzern einer steilen Karriere nachzujagen. Meine Arbeit liegt zwar außerhalb der natürlichen Komfortzone, aber das Ziel ist es wert.

Ava Mulla ist die Gründerin und Vorsitzende von Building Pioneers. Sie hat an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München Wirtschaftsingenieurwesen studiert und setzt sich als Jungunternehmerin für Lösungen im Bauwesen von Entwicklungsländern ein. Sie war Teilnehmerin der Resilience Academy 2015.

 

CB, 30. November 2015

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