Netztechnologie 2.0 – jetzt auch in Tansania

Seit 2009 erntet die deutsche Non-Profit-Organisation p(e)d world auf einem Hochplateau in Tansania erfolgreich Wasser mit Nebelnetzen. Im November 2017 wurde erstmals – wie bereits zuvor in Marokko – ein leistungsstarker CloudFisher aufgebaut. Es zeigt sich: Der Transfer der Nebelnetztechnologie funktioniert perfekt.

Profiteure der Nebelnetze in der Babati-Region, die etwa 250 Kilometer südwestlich des Kilimandscharos liegt, waren bereits bisher Grund- und  weiterführende Schulen an sechs verschiedenen Standorten mit jeweils über 250 Schülern. Die Nebelkollektoren liefern Wasser zum Trinken, Kochen, Reinigen und zum Bewässern von Pflanzen. Wasser, das ansonsten von den Schülern in stundenlangem Märschen aus oft verschmutzten Bächen mühselig herangeschafft werden müsste. Das kostet wertvolle Zeit, die dann oft beim Lernen fehlt. 


Gemeinsam mit einheimischen Arbeitern stellten Bernhard Küppers und Peter Trautwein den ersten CloudFisher auf.

Die Kollektoren der ersten Generation haben gute Dienste geleistet und jeweils mehrere hundert Liter Wasser pro Nebeltag geerntet. Lehrer und Schüler waren gemeinsam verantwortlich für die Wartung und Instandhaltung der Netze. Dieses Konzept hat sehr gut funktioniert. Die kräftigen Winde, die nicht nur Wassertröpfchen sondern auch Schmutzpartikel durch die Netze drückten, und eine enorme UV-Bestrahlung ließen allerdings das Material über die Jahre ermüden. An manchen Standorten müssen die Kollektoren jetzt deshalb komplett ersetzt werden. 

Den Anfang machte in Herbst 2017 die Secondary School in Qameyu. Gemeinsam mit CloudFisher-Entwickler Peter Trautwein bauten Bernhard Küppers von p(e)d world und sein Team den ersten CloudFisher Tansanias erfolgreich auf. Die Münchener Rück Stiftung beteiligte sich finanziell an den Material- und Logistikkosten. Trautwein hatte in den vergangenen Jahren die Nebelnetze ständig weiterentwickelt und so einen völlig neuen Kollektortyp geschaffen. Die Konstruktion berücksichtigt die langjährigen Erfahrungen und konnte nicht nur Schwachstellen ausmerzen, sondern auch die Wasserausbeute deutlich steigern. 

Das Material zum Bau der Kollektoren war bereits im Juni per Container von Deutschland aus auf Reisen gegangen. Mit viel Daumendrücken kam alles rechtzeitig vor dem Aufbauteam am Zielort an, wo der CloudFisher mit tatkräftiger Unterstützung von einheimischen Arbeitern rasch aufgebaut wurde. 


Schüler- und Lehrerteams kümmern sich künftig um die Instandhaltung der Netze.

Bereits nach einer Woche konnte p(e)d world-Leiter Bernhard Küppers die neue Anlage in einer feierlichen Zeremonie an die Schüler und Lehrer in Qameyu übergeben. Die Freude war riesig – verbunden mit großer Neugier und Wissbegierde: Wie genau funktioniert die Technik des neuen Kollektors und wie viel Wasser kann man gewinnen? Die Schulleitung stellte Teams aus Schülern und Lehrern zusammen, die die neuen Netze von nun an täglich betreuen und warten werden. Ginge es nach den interessierten Schülern, könnte man eine Vielzahl weiterer Kollektoren bauen – und genau das ist auch das Ziel von p(e)d world. Gemeinsam mit Projektpartnern gilt es jetzt die notwendigen Ressourcen zu beschaffen, so dass bald möglichst viele weitere Schulen von den neuen Kollektoren profitieren.

21. Dezember 2017