Fognets Bolivia
© Peter Trautwein

Nebelnetzprojekt in Bolivien

Mit neuen Nebelkollektoren Wassermangel lindern

Weltweit leiden Millionen Menschen unter Wasserknappheit – so auch in der Alto Veladero-Region, am Fuß der bolivianischen Ost-Anden. Dort gibt es von April bis November nahezu keinen Regen. Jedes Jahr muss das Trinkwasser rationiert werden. Nach langer Corona-Unterbrechung konnte unser gemeinsam mit der WasserStiftung und der Oswald Stiftung gefördertes Nebelnetzprojekt im Juli 2022 seine Arbeit wieder aufnehmen.
Das Prinzip des Nebelerntens ist einfach, aber in nebelreichen Regionen äußerst effektiv: Wind drückt die feuchte Luft durch die Netze der aufgestellten Kollektoren. Der Nebel kondensiert, und kleine Wassertropfen fließen vom Netzgewebe in Auffangrinnen, die direkt mit Zisternen und dem Wasserleitungssystem verbunden sind. Der kondensierte Nebel hat Trinkwasserqualität. Der Klimawandel dürfte die Wasserknappheit in Zukunft noch verstärken, weil herkömmliche Ressourcen wie Regen oder Grundwasser immer mehr zur Mangelware werden. Unkonventionelle Methoden der Wassergewinnung – etwa mit Hilfe von Nebelnetzen – können diesen Mangel lindern.
Viele Nebeltage mit hoher Luftfeuchtigkeit und starke Winde gelten als unabdingbare Voraussetzungen für hohe Wassererträge. Die Alto Veladero-Region erfüllt diese Voraussetzungen. Gleichzeitig leidet die ländliche Bevölkerung unter Wassermangel und verschmutztem Trinkwasser. Die 14 neuen Nebelnetze schaffen nun Abhilfe. Nachdem bereits seit März 2020 das gesamte Material für die CloudFisher Midi-Kollektoren im nahegelegenen Vallegrande eingelagert war, konnte im Juli 2022 endlich der Aufbau beginnen. In enger Zusammenarbeit mit der spanischen Hilfsorganisation Zabalketa und vielen engagierten Mitarbeiter:innen des bolivianischen Projektpartners Instituto de Capacitación del Oriente (ICO) koordinierte der deutsche Industriedesigner Peter Trautwein die Aufbauarbeiten an den vier verschiedenen Standorten:  Valadero Schule, Valadero Zentral, Saguintito und Sivingalito. 
Workers on the field
© Peter Trautwein
Vorbereitung für den Aufbau der Nebelnetze an den Standorten
Die Arbeiten gestalteten sich in dem unwegsamen Gelände der Andenregion auf rund 3.000 Metern Seehöhe nicht immer einfach. Schweres Gerät und alle Materialien mussten herangeschafft und das Gelände gerodet und nivelliert werden. Harte Arbeit war auch das Ausheben der Fundamente in dem felsigen Boden. Nach aufwändigen Betonierarbeiten konnten die Stahlkonstruktionen aufgestellt und Netze sowie Auffangrinnen eingehängt werden. Neu verlegte Wasserleitungen stellten die Verbindung zu Zisternen und dem Wasserleitungssystem der Dörfer her. 
Den Projektorganisator:innen war wichtig, dass die Dorfbewohner:innen, lokale Wasserkomitees wie auch die Lehrer:innen und Schüler:innen der Valadero Schule von Anfang an eng in das Projekt eingebunden waren. Sie werden sich zukünftig zusammen mit ICO um die Wartung und Instandhaltung der Nebelnetze kümmern. Die neuen Nebelkollektoren versorgen rund 370 Menschen direkt mit Trinkwasser, das auch für landwirtschaftliche Zwecke und die Bewässerung des Schulgartens genutzt wird.
Fognets Bolivia, Builders
© Peter Trautwein
Bevor die Netze gespannt werden können, müssen die Stahlrahmen der Kollektoren aufgestellt werden.
Noch ist das Projekt nicht abgeschlossen: Geplant sind Schulungen für lokale Organisationen, eine Videoproduktion sowie ein kleiner Wassergipfel in Vallegrande. Aber schon jetzt sind alle Projektbeteiligten sehr stolz, dass die Menschen in Valadero endlich von sauberem Trinkwasser aus den Nebelkollektoren profitieren. 
Der Aufbau ist abgeschlossen.
19. Dezember 2022, Martina Mayerhofer