Die Teilnehmer der Resilience Academy 2013.
Nadir erklärt, welchen Risiken Bangladesch durch den Klimawandel ausgesetzt ist.
Erosion in Küsten- und Flussgebieten verursacht große Verluste an Landflächen.

Resilience Academy - Forschung, Politik und Praxis verknüpfen

Naturkatastrophen und Klimawandel bedrohen die Lebensgrundlagen von Menschen in vielen Regionen der Welt. Sie erschweren den Gesellschaften in armen Ländern eine erfolgreiche Entwicklung. Ohne intakte Lebensgrundlagen ist ein sozio-ökonomischer Aufstieg kaum möglich. Die Folge ist Stillstand oder sogar ein Abstieg. Die erste Resilience Academy in Bangladesch befasste sich mit diesem Thema.

In den ärmsten und am schlechtesten vorbereiteten Regionen der Erde gefährden Wetterextreme, zum Beispiel Überschwemmungen oder Dürren, Leben und Lebensgrundlagen der Menschen. In Flussdeltas, auf kleinen Inseln und in Küstenregionen drohen Erosion und Bodenversalzung. Auch sehr trockene Gebiete sowie Flächen auf abtauendem Permafrostböden sind zunehmend gefährdet. Die Menschen in diesen Risikozonen werden die Umweltveränderungen als erste zu spüren kommen.
 
Um die Widerstandskraft der Menschen in verschiedenen Kontexten zu stärken, haben UNU-EHS, ICCCAD und die Münchener Rück Stiftung die „Resilience Academies“ ins Leben gerufen. Sie sollen neue Forschung initiieren und den Dialog der akademischen Welt mit Politik und Praktikern befeuern. Von 15. bis 21. September diskutierten 38 Teilnehmer aus 21  Ländern auf der ersten Akademie in Savar, Bangladesch, über Lösungsansätze. 

Wie können wir eine bessere Zukunft für die Betroffenen in Aussicht stellen, deren Lebensgrundlagen am stärksten bedroht sind? Was bedeutet Resilienz für Menschen, die durch Umweltveränderungen aus ihrer Heimat vertrieben werden oder die in Armenvierteln von Großstädten leben? Welche Möglichkeiten haben Menschen ohne Landeigentum widerstandsfähiger zu werden, wenn sie umsiedeln müssen?

Fallbeispiele der Teilnehmer aus Bangladesch, Sri Lanka, China, Neuseeland und anderen Ländern zeigten eindrucksvoll, dass das keine Zukunftsmusik ist. Bereits heute sind gravierende Auswirkungen in zahlreichen Regionen der Welt zu beobachten. Lebensräume können landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden und sind unbewohnbar. Oft sind es Menschen selbst, die die Risikosituation verschärfen. Studien aus Honduras zeigten beispielsweise, dass durch die Anlage von Flächen für den Tourismus nahe der Küste und den Ausbau von Palmölplantagen, der Wasserhaushalt in der ganzen Region massiv beeinflusst wird. Dort entstehen neue Risiken wie Küstenerosion und Überflutungen.

Resilienz stärken – aber wie?
Vorsorge und Frühwarnsysteme bieten einen Lösungsansatz. Gesellschaftliche und Ökosysteme erreichen Kipppunkte nicht, ohne vorherige Hinweise. Deshalb  ist ein besseres Verständnis von frühen Warnsignalen zentral. Neue Warnsysteme für sensible Faktoren wie Missernten, Unbewohnbarkeit oder Erosion können dazu beitragen, rechtzeitg Gegenmaßnahmen einzuläuten. Werden zum Beispiel Arbeitsroutinen für den Lebensunterhalt in einer Gemeinschaft gravierend verändert und es kommt gleichzeitig zu auffälliger Migration, ist dies eine deutliche Warnung. Für Menschen, die zurück bleiben, besteht die  Gefahr, dass ihre Grundlagenversorgung nicht mehr sichergestellt ist.

Traditionelle Warnsysteme werden oftmals für eng begrenzte Zeiträume verwendet, um einem plötzlichen Schadenfall vorzubeugen. Sie müssen erweitert werden, um auch auf langfristige Risiken hinzuweisen.  Die Menschen im Risiko können rechtzeitig handeln. „Klassische Frühwarnsysteme für Naturgefahren wie Überschwemmungen leisten aber ebenfalls einen großen Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung, wenn sie richtig aufgebaut sind“, unterstrich Dr. Moises Benessene aus Mosambik, der als Experte referierte. Sie sind ein wichtiger Schritt für eine resilientere Gesellschaft. Die Erfahrungen aus Afrika können lehrreich für andere Regionen der Welt sein.“ betonte der Direktor des meteorologischen Instituts in Mosambik: „Süd-Süd-Dialog ist wichtig“.

Gesundheit und Migration
Migration und Umsiedlungen sind in manchen Fällen die einzig mögliche Option. Ist Migration eine Notlösung oder eine aktive Anpassungsmaßnahme? Häufig hängt die Antwort davon ab, wie diese organisiert ist. Wird lediglich eine neue Infrastruktur geschaffen, die die sozialen Verbindungen, die emotionalen Aspekte außer Acht lässt, besteht die Gefahr, dass die neue Gemeinschaft nicht als Heimat anerkannt wird. Um eine resiliente neue Heimat zu begründen, muss für ein sozial intaktes Umfeld gesorgt werden, das die Sozialstrukturen aller Migranten  ausreichend berücksichtigt.  Hilfreich ist es daher, alle Betroffenen  in den Gemeinden in die Planungsprozesse einzubinden.

Die Akademieteilnehmer fokussierten sich auf Spezialthemen der Resilienz. Bei Exkursionen in zwei exponierte Gebiete in Bangladesch wurden diese Themen mit der Realität abgeglichen. Ein Zielgebiet waren die Armenviertel Bhola und Balus Math in Dhaka. Hier leben 4500 Erwachsene - Kinder sind nicht erfasst - auf nur 6700 m². Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Migranten aus den ländlichen Gebieten in Bangladesch. Verschiedene Sachzwänge, sogenannte Push- und Pull-Faktoren haben sie hierher geführt. Verschlechterte Umweltbedingungen spielten eine große Rolle. Das zweite Zielgebiet war die Ortschaft Shibaloy Upazila im Manikganj Distrikt. Hier treffen zwei große Flüsse aufeinander, häufige  Überflutungen sowie fortschreitende Erosion sind die Folge.

In Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort kam zutage, dass es keine allgemeingültige Strategie gibt, Resilienz zu steigern. Die Lösung muss auf die jeweilige Situation zugeschnitten werden. Forschung und Erfahrungen aus anderen Regionen kann aber helfen, passende  Ansätze und Instrumente zu finden. Die Ergebnisse der ersten Resilience Academy werden bald veröffentlicht.


CB, 23. September 2013

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