Dürre in Kalifornien – Lösungsversuche

Der Westen der USA wird derzeit von einer Jahrhundertdürre regelrecht ausgetrocknet. Besonders betroffen ist Kalifornien. Die Niederschlags- und Temperaturmessungen lassen vermuten, dass es die extremste Dürrephase seit Beginn der Wetteraufzeichnung ist. Die US-Wetterbehörde NOAA spricht gar von der schlimmsten Trockenphase seit 1.200 Jahren.

Expertentreffen in Kalifornien
Im Oktober 2015 trafen sich die Alumni unserer Resilience Academy von 2013 und 2014. Sie hielten an der Cal Poly University in San Luis Obispo nordwestlich von Los Angeles eine „Spinn-off-Resilience Academy“ ab. Das Programm der Fachtagung wurde zusammen mit unserem Partner UNU-EHS entworfen. Dabei ging es diesmal nicht um Entwicklungszusammenarbeit, sondern um aktuelle Probleme in einem der reichsten Länder der Welt: die Dürre in Kalifornien. Die Trockenheit dort hat ein historisches Ausmaß erreicht. Die Akademieteilnehmer tauschten sich aus, wie Dürren bekämpft werden können und welche Lösungen übertragbar sind. In Kalifornien sind die Herausforderungen vielschichtig.


Die Alumni der Resilience Academy 2013 und 2014 tauschen sich mit Fachleuten der Cal Poly University in San Luis Obispo aus und analysieren Lösungsmöglichkeiten.

Zur aktuellen Lage
Kalifornien ist in vielerlei Hinsicht wichtig für die USA. Kein anderer Staat produziert mehr Agrarprodukte. Die Landwirtschaft erwirtschaftet 45 Milliarden US Dollar. Gerade bei Obst und Gemüse hängen die Vereinigten Staaten zu einem Großteil vom „Golden State“ ab, auch bei Mandeln und anderen Nüssen ist Kalifornien unverzichtbar. Die Dürre trifft folglich nicht nur die Menschen dort, sie ist ein potenzielles Risiko für die Versorgungssicherheit in den USA.

80 Prozent des verfügbaren Wassers wird in der Landwirtschaft verbraucht, sie trifft es jetzt besonders. Wegen des geringen Niederschlags greifen die Farmer immer öfter auf Brunnen zurück. In Kalifornien gibt es keine Regelungen, wie viel Wasser aus unterirdischen Quellen entnommen werden darf, wenn sich der Brunnen auf dem eigenen Grundstück befindet. Es gibt auch keine Statistik, die darüber Aufschluss gibt, wie viele private Brunnen es überhaupt gibt. Messbar ist allerdings, dass der Grundwasserpegel sinkt. Die Bewohner müssen immer größere Anstrengungen auf sich nehmen, um überhaupt noch an Wasser zu kommen. Die Brunnen werden tiefer gebohrt. In der Nähe der Küste entsteht in der Folge ein weiteres Problem: Salzwasser vom Meer dringt nach und nach in das Grundwasser und die Böden ein. Die Versalzung schwächt die Böden und schränkt die Landwirtschaft weiter ein.

Fragt man die Betroffenen, antworten sie oft: „El Niño wird kommen und uns wieder Regen bescheren.“ Die wiederkehrenden Strömungen im äquatorialen Pazifik führen in der Regel zu massivem Regen im westlichen Nord- und Südamerika. Es ist ungewiss, ob das die Situation langfristig verbessern kann. Die ersten Ausläufer eines beginnenden El Niño kann man aktuell beobachten: Sintflutartige Regenfälle haben den Norden von Los Angelas am 16. Oktober 2015 in Schlammlandschaften verwandelt. Für die Natur bedeutet das zunächst eine Erleichterung, der Regen kommt aber zur falschen Zeit. Die Wachstumsphase der Nutzpflanzen ist nämlich längst vorbei, die Farmer müssen sich bereits mit der schwachen Ernte beschäftigen. Es kommt also nicht nur darauf an, wie viel Regen fällt, sondern wann.

Wie die Klimaerwärmung wirkt
Der globale Klimawandel führt in zahlreichen Regionen der Erde zu Erwärmung. Kalifornien, insbesondere die Sierra Nevada gehört dazu. Seit Jahren steigen die Temperaturen, die Schneemengen nehmen ab und Niederschlag geht öfter in Form von Regen nieder. In einem normalen Winter speichert die Sierra Nevada durch Schnee ungeheure Wassermassen. Bei der Schneeschmelze im Frühling erhalten die Farmer so pünktlich zur Aussaat wertvolles Wasser. Durch die vergleichsweise warmen Winter der letzten Jahre, sank die Schneemenge, das Wasser fließt als Regen schon im Winter ungenutzt Richtung Meer. In den trockeneren Frühlingsmonaten fehlt das Schmelzwasser, die Dürre wird verschärft.


Die Winzer in Kalifornien sind ebenfalls von der Dürre betroffen. Allerdings können die Weinreben sehr tief wurzeln und erreichen Wasser, das für anderen Nutzpflanzen oft nicht mehr verfügbar ist.

Lösungsansätze
Die Quellen, die man gut nutzen kann, sind bereits angezapft. Die drei großen Flusssysteme Colorado River, Sacramento und San Joaquin werden intensiv genutzt. Die Stauspeicher liegen oftmals bei nur noch 20 Prozent der normalen Wasserstände. Brunnen werden gebohrt, verursachen aber weitere Konflikte - wie oben beschrieben.

Naheliegend ist es, Wasser zu sparen. So hat Gouverneur Jerry Brown im Januar 2015 einen "Dürre-Notstand" ausgerufen. Die Regierung darf seitdem Sparmaßnahmen verordnen. Am 5. Mai etwa verpflichtete sie alle Städte, ihren Trinkwasserverbrauch um 25% zu senken. Vielen Kommunen gelang dies gut. Die Bewässerung für Seitenstreifen an Straßen wurde eingestellt, dürreresistente Pflanzen in Vorgärten eingesetzt, Wassersparschulungen in öffentlichen Einrichtungen angeboten und vieles mehr. Zu bedenken ist allerdings, dass Städte und Gemeinden nicht einmal 20 Prozent des verfügbaren Wassers verbrauchen. Die Sparmaßnahmen sind gut und als Signal wichtig, insgesamt sind sie aber vermutlich nicht ausreichend.

Der Ruf nach technischen Lösungen wird immer lauter. Seit einigen Jahre gibt es große Wasseraufbereitungsanlagen im ganzen Land. Das wiederaufbereitete Abwasser hat zwar keine Trinkwasserqualität, kann aber zur Bewässerung oder Toilettenspülung verwendet werden. Hohe Kosten verursachen nicht unbedingt die aufwendigen Recyclingverfahren, sondern die Infrastrukturänderungen, die damit einher gehen. Für das sogenannte graue Wasser können keine herkömmlichen Leitungen verwendet werden, da diese für Trinkwasser reserviert sind. Man muss deshalb ein neues Leitungssystem bauen und sicherstellen, dass sich das Wasser nicht mischt. In Kalifornien werden die neuen Leitungen in grellem Lila angestrichen (Purple Pipes). Eine anderer Lösungsansatz sind Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Zusammen mit Universitäten wird in den größeren Städten oft an neuen Konzepten getüftelt. Der Aufwand ist enorm. Denn um Salzwasser in gutes Trinkwasser zu verwandeln, sind große Mengen Energie nötig.

Die Dürre in Kalifornien stellt die Regierung, Städte und Menschen vor große Herausforderungen. Einfache Lösungen gibt es nicht. Eine große Hoffnung liegt auf El Niño. Dieser muss aber zur rechten Zeit und mit starken Niederschlägen kommen. Nur so kann die Not in Kalifornien gelindert werden. Kommt kein Regen, ist die Gefahr groß, dass der „Golden State“ zu einem „Brown State“ wird.

 

CB, 25. Oktober 2015

 

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