Resilience Academy und Building Pioneers – Vom Wissen zum Handeln

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse schaffen und Politikempfehlungen aussprechen – das sind die Ziele der Resilience Academies. Jetzt wollen wir auch praktisch beweisen, dass Wissen und Handeln zusammen gehören und unterstützen ein innovatives Häuserbauprojekt in Bangladesch.

Akteure aus Politik, Wissenschaft und Praxis nutzen die Akademien, um Lebensbedingungen in Bangladesch zu erforschen und Ideen zur Verbesserung zu generieren. Building Pioneers ist eine gemeinnützige Körperschaft und fördert die Entwicklung von komprimierten, verfestigten Erde-Zementblöcken (englisch: compressed, stabilised earth blocks, CSEB). CSEB können Bauwerke deutlich stabiler machen. Darüber hinaus sind die Häuser kostengünstig, umweltfreundlich gebaut und vor allem sicherer gegenüber Naturkatastrophen als viele herkömmliche Behausungen in armen Ländern. Die Gründerin, Ava Mulla, ist Teilnehmerin der Resilience Academies und erhält dort wertvollen Input. Auch kann sie wichtige Netzwerke für ihr Vorhaben in Bangladesch knüpfen. Beides trägt zum Erfolg bei. Um der Technik zum Durchbruch zu verhelfen, verfolgt Building Pioneers zwei Ansätze: Top-Down und Bottom-Up.

Top-Down-Ansatz im Land der Kamine
Bangladesch besitzt aus geologischer Perspektive nicht viele Ressourcen. Das gilt auch für Fels- und Gesteinsschichten, die für Infrastruktur oder Wohnungsbau verwendet werden könnten. Daher werden seit Generationen in tausenden von Brennereien Ziegelsteine für Straßen, Häuser und Mauern im ganzen Land gebrannt. Die Folgen sind dramatisch: es werden Unmengen an Brennstoffen benötigt, meist in Form von Holzkohle. Das geht zu Lasten des Waldes. Hinzu kommen immense CO2 Emissionen. Building Pioneers ist kein Konkurrent für die etablierten Ziegeleien – ganz im Gegenteil. In Gesprächen mit Ministerien, Verbänden und den Fabrikbesitzern wollen sie diese von der umweltfreundlicheren CSEB-Technik überzeugen. Fabriken können umgerüstet werden, wertvolle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Eines ist sicher: Nur wenn der politische Wille für das neue Konzept da ist, kann sich auch großflächig Erfolg einstellen.


Die manuelle Ziegelpresse ist fertig. 10 Menschen können bis zu 2000 Blöcke pro Tag herstellen.

Mit Bottom-Up-Ideen Menschen vor Ort einbinden
Die CSEB-Technik hat neben der positiven ökologischen Bilanz einen weiteren großen Vorteil: Menschen aus kleinen Ortschaften in peripher gelegenen Regionen können selbst aktiv werden. In einem Pilotprojekt erstellt Building Pioneers eine manuelle Produktionseinheit für CSEB und will mit einer lokalen NGO die Bevölkerung trainieren. Sie sollen lernen, die Rohstoffe selbst zu bewerten und eigenständig Baumaterialien herzustellen. Denn nicht jede Erde eignet sich gleichermaßen zur Blockherstellung. Durch das Pilotprojekt können die Menschen vor Ort Häuser selbst wieder aufbauen und sind weniger abhängig von Hilfe von außen. Zugleich erhalten sie eine weitere Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Überschüssige Erdezementblöcke können am Markt verkauft werden und schaffen Einkommen. Das liegt auf einer Linie mit den Zielen der Resilience Academy, die sich seit Jahren mit den Lebensunterhaltsmöglichkeiten der Menschen in Bangladesch beschäftigt. 

Mehr Sicherheit mit Stecktechnik
Die Blöcke aus der CSEB Produktion können aufgrund des flexiblen Pressverfahrens in verschiedenen Größen und Formen gestaltet werden. Ähnlich wie bei Legosteinen werden sie miteinander verzahnt, was sie sehr widerstandsfähig gegen Erdbeben und Erdrutsche macht. Die Gemeinde kann also selbst dafür sorgen, dass sie resilienter wird. Für eine kleine handbetriebene Maschine werden etwa 10 Arbeiter benötigt. Diese können 2000 Blöcke herstellen – und das pro Tag! Für ein typisches Haus im ländlichen Bangladesch werden ca. 3000 Blöcke benötigt. 


Ein Arbeiter stapelt die gepressten Blöcke aus der CSEB-Produktion. 

Ein Film für mehr Reichweite 
Die Projektverantwortlichen dokumentieren beide Maßnahmen (top-down und bottom-up) sehr sorgfältig. Es soll ein Lehrfilm entstehen, der an Universitäten etwa in Ingenieurstudiengängen gezeigt werden kann. Damit erreichen sie die Architekten und Infrastrukturplaner von morgen und können die Erfolge schnell skalieren. Dank der Resilience Academy hat Building Pioneers Kontakte zu verschiedenen wichtigen Anspruchsgruppen aufbauen können. Darunter die Independent University of Bangladesh und das United Nations Development Program (UNDP). 

Neue Wege für alte Technik
„Die Idee, Blöcke zu pressen anstatt sie zu brennen, ist nicht neu“ betont auch Ava Mulla, aber: „Manchmal braucht es einen Stimulus von außen, um alte Dinge zu überwinden und mit der Technik von heute innovative neue Wege zu gehen. Wir hoffen, dass wir einen Anreiz für Bangladesch schaffen können.“ Ava Mulla ist bescheiden. Ihr Projekt hat enormes Potenzial und bereits große Sichtbarkeit gewonnen: 2016 gewannen die jungen Baupioniere eine Google Impact Challenge für soziale Start-Ups. Die Münchener Rück Stiftung freut sich auf die Zusammenarbeit und fördert das Projekt auch finanziell.   

CB, 22. August 2016

 

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