Wissenschaft unterstützt die Politik

Resilience Academy Capstone Conference 2017

40 Alumni der Resilience Academies 2013 bis 2016 folgten unserer Einladung nach Washington D.C. Ziel war es, alle Akademie-Absolventen der letzten Jahre thematisch zu vernetzen und die wichtigsten Ergebnisse zu veröffentlichen. Wie hängen Einkommensmöglichkeiten, Lebensgrundlagen und Schäden durch den Klimawandel zusammen? Wie kann man Gesellschaften stärken?

Resilienz ist – stark vereinfacht – die Fähigkeit von Individuen, Gesellschaften oder Systemen, Schocks oder langsam drohenden Gefahren zu widerstehen und negative Folgen zu überwinden. Der englische Begriff „Livelihoods“ beschreibt die Lebensweisen und Unterhaltsmöglichkeiten, welche Menschen in einer bestimmten Region wahrnehmen können. Ein kleines Fischerdorf an der Küste von Bangladesch ist beispielsweise vielleicht zunächst darauf beschränkt, nur fischen zu gehen. Können die Menschen dort zusätzlich Landflächen nutzen, um Landwirtschaft zu betreiben, eröffnet das neue Optionen. Haben sie dann noch Zugang zu lokalen Märkten, können Geschäfte und neue Wirtschaftsmöglichkeiten entstehen.


Rund 40 Alumni der Resilience Academies aus 20 Ländern nahmen an der Capstone Conference in Washington teil.

Wie hängt das mit Risikomanagement bei Naturkatastrophen zusammen? Trifft ein Sturm oder eine Flutwelle eine Dorfgemeinschaft und zerstört deren Fischerboote, bedeutet das einen großen Verlust für die Menschen. Sind sie alleine abhängig vom Einkommen durch die Fischerei, birgt dieses eine Ereignis nicht nur die Gefahr eines kurzfristigen ökonomischen Verlustes (das Fischerboot), sondern langfristig Arbeitslosigkeit und damit womöglich Armut sowie größere Verwundbarkeit gegenüber weiteren Risiken. Durch nicht betroffene Einkommensmöglichkeiten können die Effekte der Naturkatstrophe dagegen abgefedert werden. D.h. die Diversifizierung von „Livelihoods“ spielt eine große Rolle für die Stabilität von Individuen, Familien und Gemeinschaften.

Schäden durch den Klimawandel – die „Loss and Damage“-Debatte
Klimawandel ist real und wir spüren die Auswirkungen bereits heute. Die Zahl von klimabedingten Katastrophen nimmt zu, die Intensität von Einzelereignissen steigt. Um dem entgegen zu wirken, gibt es zwei große Handlungsstränge, die auch bei den Weltklimaverhandlungen verhandelt werden: Vermeidung von Treibhausgasen (Mitigation), um die globale Klimaerwärmung zu beschränken und Anpassung an die Folgen von Wetterkatastrophen und Umweltveränderungen (Adaptation). Auf der Akademie wurden zahlreiche Beispiele gezeigt, wie Anpassungsprozesse gestaltet werden können. Nandan Mukerjee von der Dundee University in England etwa berichtete von neuen schwimmenden Hausbooten in Bangladesch, die traditionelle Holz- und Lehmhütten ersetzen. „Unter den Booten sind Fischkäfige angebracht, eine Etage höher kleine Hühnerställe. Darüber wiederum liegen die Wohnräume der Familie.“ Das eröffnet neue Möglichkeiten zur Einkommensgenerierung und verringert das Verlustrisiko bei Fluten deutlich.

Beide Konzepte (Mitigation und Adaptation) greifen jedoch zu kurz, wie die junge Vergangenheit gezeigt hat: Es gibt Regionen, in denen durch die Folgen des Klimawandels nicht vermeidbare Schäden entstehen oder ganze Lebensräume unwiederbringlich zerstört werden. Im Schadenbereich (Damage) gibt es einige vielversprechende Instrumente, diesen zu reduzieren oder abzupuffern. Versicherungsprodukte können eine Lösung sein. Sönke Kreft, Generalsekretär der Munich Climate Insurance Initiative (MCII) zeigte ein Beispiel aus der Karibik. Arme aber ökonomisch aktive Menschen können hier eine sogenannte „Livelihood Protection Policy“ (Police zum Schutz von Einkommensverlusten) zur Absicherung gegen Wetterkatastrophen kaufen. Die jährliche Prämie kostet dabei nicht mehr als etwa drei Mittagessen. Überschreitet ein Sturm in einer bestimmten Region eine gewisse Stärke, erhalten Versicherungsnehmer innerhalb weniger Tage eine Auszahlung. Das ermöglicht eine raschere Erholung nach der Katastrophe. Beispielsweise kann ein kleiner Kiosk an der Küste schnell wiederaufgebaut werden, der versicherte Händler schneller wieder arbeiten und Einkommen für die Familie generieren.

Klimawandel – Migration als Ausweg?
Die Suche nach Lösungen bei einem vollständigen Verlust von Lebensräumen (Loss) ist bedeutend schwieriger: Das Tauen des Permafrostbodens im hohen Norden bedroht die Lebensgrundlagen der Inuit in Alaska, der beschleunigte Meeresspiegelanstieg und die Versalzung von Böden erschwert das Leben in kleinen Inselstaaten und niedrig gelegenen Küstenbereichen. Vor allem Flussdeltagebiete wie in Bangladesch sind betroffen. Aber auch andere dicht besiedelte Regionen wie beispielsweise das Nildelta in Nordafrika. Durch langanhaltende Hitzeperioden und Dürren gehen ebenfalls bewohnbare Lebensräume verloren, etwa in der Sahelzone. Die finalen Auswege sind oft Migration oder Flucht. Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und sich andernorts neue Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Somit ist auch Migration eng mit Resilienz und den Diskussionen rund um „Loss and Damage“ als Folge von Klimaveränderungen verbunden.

Einige Akademieteilnehmer sind in Umsiedlungsprogramme involviert oder forschen, wie Migrationsströme durch Umweltveränderungen entstehen und wie sie am besten gemanagt werden können. Alberto Praeto, der für die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Niger arbeitet, weist auf eine Lücke in vielen Arbeiten und Programmen hin: „Migration besteht eigentlich aus drei großen Schritten: dem Aufbruch aus der ursprünglichen Region, dem Weg hin zur neuen Heimat und dem Ankommen in der Destination. Während Schritt eins und drei im Mittelpunkt stehen, wird alles dazwischen oft nicht richtig in den Strategien berücksichtigt.“ Gerade hier sind die Menschen aber sehr verwundbar und auf Hilfe angewiesen. Risikomanagement und Planungen zu begleiteter Umsiedlung müssen daher zwingend auch in dieser wichtigen Phase mehr Bedeutung erfahren.

Auf der Capstone-Akademie diskutierten Anthropologen, Risikomanager, Sozialwissenschaftler, Migrationsforscher, Geographen, Städteplaner und viele andere gemeinsam, wie man diesem komplexen Konstrukt an Herausforderungen am besten entgegentreten kann. Vor allem, wie man die Ergebnisse aus der Forschung in die politischen Entscheidungsprozesse einbringen kann. Alice C. Hill, die unter Präsident Obama im Weißen Haus als Beraterin für Resilienz- und Sicherheitsfragen bei der Homeland Security gearbeitet hat, stand Rede und Antwort. „Wichtig ist, eine gemeinsame Sprache zu finden!“ Politiker, die für ein bestimmtes Ressort verantwortlich zeichnen, sind nicht zwangsläufig Experten in diesem Bereich. Daher müssen Ergebnisse aus der Forschung so ausgearbeitet sein, dass auch thematische Neulinge damit umgehen können.



Roger-Mark De Souza vom Wilson Center und Alice C. Hill (Hoover Institute) diskutierten, wie Ergebnisse aus der Forschung in politische Prozesse eingebracht werden können.

Roger-Mark De Souza, Direktor für Bevölkerung und Umweltsicherheit am Wilson Institut in Washington, griff diese Forderung auf und hob die Bedeutung der Resilience-Academy-Reihe hervor: „Interdisziplinäre Treffen wie unseres hier schaffen die richtige und sichere Umgebung, um aufeinander zuzugehen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.“ Die Capstone Conference der Resilience Academies bildete den offiziellen Abschluss der fünfjährigen Akademiereihe. Der größte Erfolg waren dabei nicht die zahlreichen Fachpublikationen, die entstanden sind, sondern das einzigartige Netzwerk von Menschen und Experten aus allen Regionen der Erde.

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Die Resilience Academy, 16. bis 20. Oktober 2017, wurde von der Münchener Rück Stiftung gemeinsam mit dem Institute for Climate Change and Development in Bangladesch (ICCCAD), dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit an der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) und dem Woodrow Wilson Center for International Scholars (WWCIS) in Washington D.C. organisiert.

26. Oktober 2017

Name Affiliation Title of presentation Download
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