Building Pioneers – Innovation auf steinigem Weg

Wissen und Handeln verknüpfen – das ist das Ziel der Münchener Rück Stiftung. Aus diesem Grund haben wir ein innovatives Pilot-Projekt unterstützt, dass den Häuserbau in Bangladesch revolutionieren will. Ein komplizierte Angelegenheit mit vielen Hindernissen, wie sich zeigte.

Die Produktion von gebrannten Ziegelsteinen (FCB) hat in Bangladesch viele negative Folgen für Mensch und Umwelt. Dazu gehören neben der Degradation landwirtschaftlicher Flächen, Abholzung von Waldflächen und der Luftverschmutzung auch hohe CO2-Emmissionen und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen. Building Pioneers, ein junges deutsches Sozialunternehmen, wollte etwas tun, um diese schlechte Gesamtbilanz deutlich zu verbessern. Mit dem Ziel, umweltfreundliche, stabile und bezahlbare Häuser in Bangladesch zu bauen, entwickelten sie komprimierte, verfestige Erde-Zementblöcke (englisch: compressed, stabilised earth blocks, CSEB). Diese sind nicht nur erdbeben- und sturzflutsicher, sondern auch erschwinglich. Die CSEB können mit einer kleinen Presse vor Ort hergestellt werden, somit schaffen sie auch einfache Arbeitsplätze in Dörfern und Kommunen. Mithilfe der Münchener Rück Stiftung, die das Projekt in der Startphase finanziell unterstützte, sollten so auch ländliche Gemeinden besser gegen Katastrophen gerüstet werden.


Klassische Ziegelbrennereien bei Dhaka, Bangladesch. © Albaab Habib 

Die Anfangsphase – Pläne schmieden und testen
Building Pioneers, die im Januar 2015 gegründet wurden, plante mit kleinen Produktionsstätten in ländlichen Gebieten. Diese sollten die Widerstandskraft der Menschen gegenüber Naturkatastrophen steigern und Einkommensmöglichkeiten verbessern. In einem Pilotprojekt wurde eine manuelle Produktionseinheit für CSEB gebaut und die Bevölkerung für den selbstständigen Gebrauch unterrichtet. Für die Ziegel wurden im Labor 40 unterschiedliche Materialzusammensetzungen an der Bangladesh University for Engineering and Technology (BUET) mit zunächst vielversprechenden Ergebnissen getestet. Gleichzeitig konnten wichtige Partner gewonnen werden, wie zum Beispiel das Programm für erschwinglichen Wohnraum (Affordable Housing Programme) von LafargeHolcim.  

Erste Anpassungen – von manueller zu halbautomatischer Ziegelproduktion
Die Ergebnisse des Pilotprojekts zeigten, dass die CSEB im Wettbewerb bei großen Stückzahlen nicht mit den gebrannten Ziegelsteinen (FCB) mithalten konnten. Die gepressten Erde-Zementblöcke waren unter den gegebenen Bedingungen zu arbeits- und zeitintensiv – und damit zu kostspielig. Die jungen Pioniere mussten ein Alternativmodel für umweltfreundliche Ziegelproduktion suchen. Warum also nicht bereits existierende, veraltete Ziegelbrennereien in halbautomatisierte CSEB-Werke umwandeln? Die alten Anlagen stehen ohnehin unter Modernisierungsdruck. Mit einer Umwandlung zur semiautomatischen CSEB-Produktion könnten die Arbeitsplätze und somit die alten Werke erhalten bleiben (Top-Down-Ansatz). Zeitgleich wollte Building Pioneers zugleich ihre Bottom-Up-Idee nicht aufgeben. Auf lokaler Ebene sollten manuelle Produktionseinheiten zur Sensibilisierung und für Trainingszwecke weiter genutzt werden.


Ein Arbeiter stapelt die gepressten Blöcke aus der CSEB-Produktion.

Von Erde-Zementblöcken zu Sand-Zementblöcken – ein neuer Ansatz
Im August 2016 musste erneut ungeplant werden: Langfristige Wettertests mit den CSEB hatten ergeben, dass sie sich auf Dauer nicht gut für das nasse Monsun-Klima in Bangladesch eignen. Die ständig hohe Luftfeuchte würde CSEB-Konstruktionen instabil machen und die Menschen dort einem weiteren Risiko aussetzen. Eine Alternative boten Sand-Zementblöcke (SCB). Sie sind wasserresistenter und kosteneffizienter als die ursprünglichen CSEB. Zudem sparen sie bei der Produktion ebenfalls 50% der CO2-Emmissionen im Vergleich zu gebrannten Ziegelsteinen (FCB) ein.  

Die Kehrseite: Die Sand-Zementblöcke lassen sich nicht manuell herstellen, schweres Gerät ist erforderlich. Dieser neue Ansatz war nun sehr weit von der ursprünglichen Idee entfernt: mit dezentralen, lokalen Strukturen operieren. Die Gründung eines neuen Unternehmens mit dem Namen Building Pioneers Bangladesh Ltd. war erforderlich, vieles musste neu verhandelt werden: Auf technischer Seite brauchte man große Partner, wie etwa Chryso India und die Sain Léonard France Gruppe. Auf finanzieller Seite waren deutlich höhere Fördersummen nötig. Die bisherigen Geldgeber (Münchener Rück Stiftung, Google Impact Challenge etc.) konnten bei der Größenordnung nicht weiter unterstützen. Um das zu stemmen, stand man in Verhandlungen mit einem weiteren Geber (SwitchAsia Projekt). Am Ende konnten sich die Building Pioneers nicht durchsetzen. Das Projekt wurde nach einer Pilotphase wieder eingestellt.


Ava Mulla hat mit ihrem Engagement viele neue Impulse in die Diskussion in Bangladesch eingebracht.
 

Der Projektabschluss – mit einem lachenden und einen weinenden Auge
Auch wenn die Arbeit der Building Pioneers in Bangladesch im Juli 2017 mit der Pilotphase endete, hat das Engagement viele Ergebnisse erzielt. Das Projekt machte darauf aufmerksam, wie dringend Bangladesch eine Alternative zu den gebrannten Ziegelsteinen braucht. Die Gespräche mit Politikern, Universitäten und Industrievertretern haben die Sichtbarkeit erhöht und Einblick in neue Lösungswege gewährt. Die lokalen Akteure haben erkannt, dass man mit Eigeninitiative durchaus Veränderungen erreichen kann. Innovation führt, auch wenn sie scheitert, oft zu wichtigen Erkenntnissen. Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und mit den Forschungsarbeiten zu den Sand-Zementblöcken sind die ersten Schritte in eine neue Richtung erfolgt.

23. Februar 2018

 

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