Veronika Fröhlich ist Projektleiterin für die Energieschule München und für die Entwicklung der Kurse verantwortlich.

Mit der Energieschule auf Workshop-Tour

Im Gespräch mit Veronika Fröhlich

Die Energieschule München der Umweltorganisation Green City e. V. bringt das Thema Energie und Klimaschutz an Grund- und Mittelschulen. In interaktiven Workshops, spannenden Exkursionen und mit vielfältigen Arbeitsmaterialien diskutiert das Expertenteam von Green City über Energiesparen, erneuerbare Energien und Berufe im Bereich regenerative Energieerzeugung.


Die Schüler experimentieren, forschen und erleben, wie komplex das Thema ist und was der Einzelne durch sein Verhalten ändern kann. Die Münchener Rück Stiftung fördert seit vielen Jahren das Engagement von Green City. Veronika Fröhlich hat 2015 die Projektleitung übernommen und begleitet seit zwei Jahren die verschiedenen Workshop-Module in den Schulen.

Frau Fröhlich, wie läuft so ein Workshop „Sonne voll Energie“ in einer Grundschulklasse ab? Sind die Kinder leicht zu begeistern?

In einer Einführung fragen wir die Kinder, welche Geräte zu Hause und im Klassenzimmer Strom verbrauchen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Energiefresser den Kindern einfallen! Und spätestens dann, wenn sie aufs Energierad steigen dürfen und versuchen, das Wasser im Wasserkocher mit ihrer Muskelkraft zum Kochen zu bringen, sind alle Kinder mit vollem Eifer dabei und feuern sich gegenseitig an.

Wie alt sind die Schüler und mit welchen Geräten dürfen sie experimentieren?

Die Kinder sind zwischen acht und zehn Jahre alt. An unserer Station „Energieforscher“ messen die Kinder wie viel Energie ein Radio, ein Fernseher, ein Föhn oder ein Wasserkocher benötigt. Außerdem lernen sie den Unterschied zwischen einer Glühbirne, einer Energiesparlampe und einer LED-Leuchte kennen.

Ist es bei den größeren Kindern, die am Modul „Energie mit Zukunft“ in der Mittelschule teilnehmen, schwieriger, Interesse zu wecken?

Anfangs schon. Sie denken oft, dass sie der Klimawandel überhaupt nicht betrifft. Aber im Laufe der Workshops wird ihnen klar, dass wir auch in Bayern schon Auswirkungen des Klimawandels spüren können.

Was machen Sie genau bei den Projekttagen?

Wir von Green City stellen den Schülern in unseren Workshops Erneuerbare Energien vor, geben Energiespartipps, sprechen über die Folgen des Klimawandels weltweit und in Bayern und machen ein Dämmexperiment. Wir arbeiten mit einem Energieberater zusammen, der eine Wärmebildkamera mitbringt. Das kommt bei den Schülern super an, weil sie da Wärmebilder von sich selbst machen und dann auch mitnehmen dürfen!

In diesem Modul geht es unter anderem auch um berufliche Perspektiven im Bereich Klimaschutz. Wie kommt das bei den Jugendlichen an?

Die meisten Schüler wissen noch nicht, was sie nach dem Schulabschluss machen wollen. Für sie ist es eine tolle Möglichkeit, einmal andere Berufsbilder kennen zu lernen. Wir gehen in einen Waldkindergarten, einen Biosupermarkt, einen Gemeinschaftsgarten und in die Innung für Sanitär- und Klimatechnik. Die Schüler können selbst einiges ausprobieren und Fragen zur Ausbildung stellen. Wir konnten über das Projekt schon ein paar Praktikumsplätze vermitteln!

Wie werden die Lehrer mit einbezogen? Übernehmen sie einen aktiven Part bei den Projekttagen? Und passen die Inhalte zum Lehrplan?

Für die Lehrkräfte bringen wir Zusatzmaterialien wie Arbeitsblätter oder Experimentieranleitungen mit. So können sie die besprochenen Themen im Anschluss nochmal aufgreifen. Die Mitwirkung der Lehrer ist uns wichtig, damit die Inhalte in den  Schulalltag integriert und an die gesamte Schulfamilie weitergegeben werden. In der 3. Klasse sind die Module von „Sonne – voll Energie“ eine tolle Ergänzung zum HSU-Unterricht. In der 7. Klasse ist das Thema Klimawandel im Lehrplan verankert und kann durch „Energie mit Zukunft“ veranschaulicht werden.

Das klingt alles sehr spannend. Bekommen Sie viele positive Rückmeldungen von den Kindern? Oder auch von den Eltern?

Dass den Kindern die Energieschule München gefällt, erleben wir direkt in unseren Workshops. Manchmal schreiben uns auch Eltern, dass ihre Kinder zu Hause ganz begeistert vom Energierad oder dem Solarkocher erzählt haben. Auch von den Lehrern bekommen wir sehr positive Rückmeldungen. Die Arbeit in Kleingruppen und das selbstständige Erforschen kommen besonders gut an.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten?

Mir gefällt an unseren Workshops, dass die Kinder das doch eher schwierige Thema Energie auf so vielfältige und spielerische Weise erleben können. Mein Lieblingsworkshop ist der Solarkocher. Die Kinder fragen sich immer, wie wir mit dieser komischen Satellitenschüssel kochen wollen. Wenn sie aber dann selbst spüren, wie viel Kraft in der Sonne steckt und erfahren, dass man diese Kraft auch zum Kochen nutzen kann, schmecken die Sonnentortellini gleich doppelt so gut!

MM, 3. Dezember 2015