“Globale Risiken, Umweltveränderungen und Anpassung – Welche Rolle spielt die Urbanisierung?”

Sommerakademie 2018, 24. bis 28. September 2018, Rheinhotel Schulz, Unkel (Bonn)

Seit 2009 leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Das entspricht im Jahr 2018 etwa 4,2 Milliarden. Der Verstädterungstrend wird sich weiter fortsetzen und birgt Chancen und Risiken. Auf der einen Seite entstehen Risikohotspots etwa für Naturgefahren, auf der anderen Seite bauen Städte durch redundante Infrastrukturen – zum Beispiel mehrere Krankenhäuser – Resilienz für externe Schocks auf.

Klima- und Umweltveränderungen können das Zusammenspiel aus Chancen und Risiken massiv beeinflussen. Wie sieht die Zukunft aus? Dieser Frage gingen 25 Wissenschaftler, UN-Delegierte, Regierungsberater und NGO-Vertreter auf der Sommerakademie 2018 nach. Risiko setzt sich zusammen aus Exponierung, Vulnerabilität (Verletzlichkeit) und Gefährdungsgrad. Der Weltklimarat (IPCC), die Vereinten Nationen und viele politische Gremien auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene verwenden dafür ein entsprechendes Propeller-Diagramm (siehe Bild 1).

Paul Desanker, verantwortlicher Manager für Klimawandelanpassung innerhalb des Weltklimasekretariats (UNFCCC), betonte in seiner Rede, wie wichtig die drei Komponenten für gutes Risikomanagement sind. Nur wenn alle drei Variablen ausreichend gut verstanden und wissenschaftlich untersucht sind, können verlässliche Zukunftsszenarien entwickelt werden. Diese sind die Grundlage für politische Planung, insbesondere Anpassungsplanung an Klimaveränderungen auf Länderebene (NAPs – National Adaptation Plans).


Der Akademieleiter Matthias Garschagen erklärte die Zusammenhänge von Vulnerabilität, Exponierung sowie Gefährdung.

Matthias Garschagen und sein Forschungsteam haben untersucht, in welchen Bereichen Forschungsmittel und -arbeiten verfügbar sind. In die Analyse der Gefährdung wird viel sehr Arbeit gesteckt, Forschung zu Vulnerabilität und Exponierung ist oft nicht ausreichend verfügbar – besonders zu sozioökonomischen Fragen. Die Akademie brachte Experten zusammen, um hier eine Lücke zu schließen. Die Teilnehmer haben anhand von Beispielen aus Asien (Indien, Philippinen, Indonesien) und Afrika (Ghana, Südafrika, Kenia) erarbeitet, wie Vulnerabilität gemessen werden kann. Ebenso, welche Rollen ungeplante Siedlungen, Armenviertel und langsame Infrastrukturplanung spielen. Sie sind ebenfalls Schlüssel für die Entwicklung von Vulnerabilität und Resilienz. Neben den gut untersuchten Umweltveränderungen spielen sie eine gewichtige Rolle und müssen stärker in Risikomanagementplanungen und in die Anpassungsplanungen (NAPs) einbezogen werden. Hier müssen international anerkannte Leitlinien definiert werden. Dies unterstrich auch der Akademiepartner UNFCCC.


Jakob Rhyner (UNU-EHS), Paul Desanker (UNFCCC), Yuka Terada (UN-Habitat), Mark Pelling (King’s College) und Matthias Garschagen (UNU-EHS) diskutieren auf dem Eröffnungspanel, wie nachhaltige Stadtplanung gestaltet werden muss und welche Lösungen es heute schon gibt.

Mark Pelling, Professor am King’s College in London, einer der weltweit führenden Wissenschaftler in der städtischen Resilienzforschung, betonte jedoch auch: „Mehr Daten bedeuten nicht zwangsläufig mehr Klarheit. Trend ist nicht gleich Trend“. Die Wissenschaft stellt fest, dass in Risikoszenarien oft wichtige Variablen und Trends z. B. zu sozialer Verwundbarkeit – fehlen oder zu wenig berücksichtigt sind. Sie sollten in die Modelle einfließen. Das bedeutet jedoch auch, dass die Modelle immer komplexer und angreifbarer werden. Politischen Entscheidern bringt diese neue Komplexität dann aber oft nicht mehr Klarheit, sondern eher Unsicherheit.

Aus diesem Grund sind Veranstaltungen wie die Sommerakademie wichtig. Sie führen Sozialwissenschaftler, Stadtplaner, Trendforscher und Strategen zusammen, um politische Entscheider und Akteure der Vereinten Nationen besser zu beraten. Wichtig ist es, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln. Die oft komplexen Erkenntnisse müssen in Handlungsweisungen übersetzt und von den Umsetzern vor Ort verstanden werden. Gelingt das, können wichtige UN-Ziele, wie die Klima-Abkommen, Katastrophenstrategien und Nachhaltigkeitsziele (SDGs) erfolgreich verwirklicht werden.

1. Oktober 2018

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