Über 100 Experten nahmen am Mikroversicherungs-Workshop teil.

Wege aus der Massenarmut – Mikroversicherung in China

China ist mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde. 35 Prozent der Menschen müssen nach Zahlen der Vereinten Nationen von weniger als zwei Dollar pro Tag leben. Das rasante Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat zwar Millionen Chinesen aus der Armut geholfen, doch bleiben die Herausforderungen groß. Weil die Regierung erkannt hat, dass Mikroversicherungen bei der Bekämpfung von Armut eine wichtige Rolle spielen, hat die China Insurance and Regulatory Commission (CIRC) zu diesem Thema Mitte Januar 2008 eine Konferenz abgehalten.

Mehr als 100 Versicherungsexperten waren am 16. und 17. Januar in Peking zusammengekommen, um Chancen und Perspektiven der Mikroversicherung in China zu diskutieren. Das Interesse an dem Thema ist groß, nicht zuletzt weil die Regierung den Instrumenten Mikrofinanzierung und Mikroversicherung eine bedeutende Rolle bei der harmonischen Entwicklung der Gesellschaft beimisst. Dabei stehen besonders die 600 bis 700 Millionen Menschen auf dem Land im Fokus, an denen der wirtschaftliche Aufschwung im Gegensatz zur Stadtbevölkerung weitgehend vorbeigegangen ist. Gleichzeitig haben die rund 400 Millionen Arbeiter des Landes einen riesigen Bedarf zur Absicherung ihrer individuellen Risiken.

Nach Aussagen von Li Kemu, dem stellvertretenden Vorsitzenden der CIRC, hat China die Entwicklung von Versicherungen für den ländlichen Bereich im Jahr 2007 mit mehr als 2,7 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 255 Millionen Euro) gefördert. „Wir müssen das Bewusstsein für die Bedürfnisse dieser Einkommensgruppen stärken und innovativere Versicherungskonzepte entwickeln“ verlangte Li Kemu. Besondere Bedeutung könnte dabei der Nutzung von bestehenden Vertriebskanälen über Post oder Postbank zukommen. Darüber hinaus appellierte er an die Versicherer, Filialen in ländlichen Regionen zu eröffnen.

Michel Flamée, Chairman der International Association of Insurance Supervisors, plädierte dafür, die Rahmenrichtlinien für Mikroversicherungen den bestehenden Verhältnissen anzupassen. „Versicherungen müssen alle Einkommensgruppen einschließen. Deshalb ist es wichtig, dass die Regulierungsbehörden die besonderen Anforderungen von Mikroversicherungen noch besser verstehen, um entsprechend handeln zu können“ sagte Flamée.

Mehrere Referenten wiesen auf die besondere Bedeutung von Kooperativen bei der Verbreitung von Mikroversicherungen hin. Auch wenn nicht alle Beispiele aus diesem Segment grundsätzlich erfolgreich sind, so ist der Ansatz wegen seines günstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses erfolgversprechend.

Wegen der Fokussierung auf die Landbevölkerung darf zudem das Thema Naturkatastrophen nicht vernachlässigt werden. „Die Klimaänderung wird einigen Regionen stärkere Fluten und anderen schlimmere Dürren bringen“ warnte Dirk Reinhard von der Münchener Rück Stiftung. Das müsse bei der Entwicklung von Mikroversicherungen berücksichtigt werden.

Die Konferenz in Peking hat den großen Bedarf an Versicherungslösungen für Menschen mit geringem Einkommen in China deutlich gemacht. Weiterhin offen ist die Frage der Regulierung. Obwohl die CIRC spezielle Regelungen für Mikroversicherungen angekündigt hat, blieb die Konferenz Einzelheiten schuldig. In Anbetracht der enormen Herausforderungen können auch in China maßgeschneiderte und nachhaltige Mikroversicherungslösungen nur dann entstehen, wenn Behörden, Versicherungsexperten und Kenner von Land und Leuten eng zusammenarbeiten.

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