Mikroversicherungs-Konferenz 2005

Pressemitteilung - 21. Oktober 2005

Der Mikroversicherungssektor spielt eine wichtige Rolle bei der Armutsbekämpfung. So lautet das Fazit der internationalen Mikroversicherungs-Konferenz „Making insurance work for the poor. Current practices and lessons learnt“ vom 18. bis 20. Oktober 2005 in Hohenkammer. Veranstaltet hat sie die Münchener Rück Stiftung gemeinsam mit der Initiative „Consultative Group to Assist the Poor“ (CGAP).

Von den vier Milliarden Menschen weltweit, die mit weniger als 2 US$ pro Tag auskommen müssen, haben derzeit nicht einmal 10 Millionen die Möglichkeit, sich zu versichern. Deshalb lud die Münchener Rück Stiftung in Zusammenarbeit mit der CGAP-Arbeitsgruppe Mikroversicherung rund 100 Experten aus 25 Ländern zu einem Meinungsaustausch über diese Problematik ein. Ziel war es, Lösungen dafür zu finden, wie man die Armen mit einem Grundschutz bei Lebens- und Krankenversicherung ausstatten kann, sowie die Ergebnisse von rund 20 Fallstudien über bereits bestehende Mikroversicherungsangebote zu analysieren. „Vielfach wird noch angezweifelt, ob es eine Versicherung für Arme geben kann“, sagte Dirk Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung. „Die Konferenz hat aber deutlich gemacht, dass es mehrere tragfähige Lösungen gibt.“ Einkommensschwache Haushalte müssen bei Krankheit für die Kosten größtenteils selbst aufkommen, was mitunter 30 % ihres Einkommens ausmacht. „Die Zahl der Mikroversicherungskonzepte und der versicherten Personen hat sich in den letzten zehn Jahren jedes Jahr verdoppelt – wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau aus“, ergänzte der Vorsitzende der CGAP-Arbeitsgruppe Mikroversicherung Craig Churchill von der ILO in Genf. „Viele Programme fangen klein an, aber bei einigen wird sichtbar, dass darin großes Potenzial liegt. Das beweisen drei Programme in Bangladesch, Uganda und Indien, die inzwischen jeweils mehr als einer Million Menschen Versicherungsschutz bieten.“

Fallstudien der beteiligten Organisationen und der Vereinten Nationen verdeutlichen den enormen Bedarf nach grundlegenden Finanzprodukten wie Sparkonten, Krediten oder Versicherungen, die für die Menschen in den Industrieländern selbstverständlich sind.

Dem Kapitalentwicklungsfonds der Vereinten Nationen zufolge beziehen bis zu 80 % der 5,1 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern ihr Einkommen aus der informellen Wirtschaft. Die Mikroversicherung bietet Armen die Möglichkeit, sich gegen Risiken und Notlagen abzusichern, selbst wenn sie nur über ein niedriges und oft unregelmäßiges Einkommen verfügen. „Sie gewährt Menschen, die in der informellen Wirtschaft arbeiten, eine Absicherung, die für Arbeitnehmer im formellen Sektor selbstverständlich ist“, fügte Churchill hinzu.

„Gesundheit spielt eine wichtige Rolle bei der Armutsbekämpfung“, unterstrich Reinhard. Neuere Studien der Weltgesundheitsorganisation haben ergeben, dass weltweit pro Jahr etwa 44 Millionen Haushalte, d. h. über 150 Millionen Personen, für Krankheitskosten aufkommen müssen, die 40 % ihrer verfügbaren Mittel übersteigen, und dass etwa 25 Millionen Haushalte, d. h. über 100 Millionen Menschen, in die Armut getrieben werden, weil sie für solche Leistungen aufkommen müssen. Insgesamt haben einkommensschwache Gruppen, besonders in den Entwicklungsländern, einen höheren Anteil bei Notlagensituationen durch Gesundheitsausgaben. Aufgrund dieses enormen Absicherungsbedarfs, dem bislang nicht Rechnung getragen wird, unterstreicht die UN mit dem Jahr der Mikrofinanzierung 2005, wie wichtig es ist, die Bedürftigen zu stärken.

Krankheit und die Kosten für Gesundheitsleistungen sind für Arme die größten Hindernisse, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Deshalb ist es wichtig, das Thema Gesundheit anzugehen, damit sich Menschen mit geringem Einkommen selbst aus der Not befreien können. Trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten zeigten die Fallstudien, dass man Mikroversicherungsprodukte auch mit begrenzten oder fehlenden Gebermitteln entwickeln und einführen kann.

Obwohl die Krankenversicherung zu den besonders anspruchsvollen Sparten der Mikroversicherung gehört, kann man sie dennoch verwirklichen. Die Frauenhilfsorganisation AssEF (Association d’Entraide des Femmes) aus Benin zeigte als eines von mehreren erfolgreichen Beispielen, dass man ein Krankenversicherungsprodukt gestalten kann, das an den finanziellen Mög-lichkeiten der Menschen ausgerichtet ist, wenn man die Gemeinschaft einbezieht. Die Tragfähigkeit des Programms wird gewährleistet durch effiziente Steuerung und sorgfältige Kontrolle. Als man dank der Kontrollmechanismen beispielsweise entdeckte, dass ein Gesundheitszentrum keine adäquate Versorgung bot, konnte man korrigierend eingreifen.

 

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