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Mikroversicherung als Pfeiler des kräftigen Wirtschaftswachstums in Indien

Press release - Microinsurance Conference 2007

Mumbai, Indien. 14. November 2007. Über 300 Fachleute und Praktiker aus über 50 Ländern waren nach Mumbai, Indien, gereist, um vom 13. bis 15. November 2007 an der dritten Mikroversicherungskonferenz 2007 teilzunehmen und die jüngsten Trends und Entwicklungen bei kostengünstigen Versicherungsprodukten für die Armen zu diskutieren. In seiner Eröffnungsansprache erklärte der indische Finanzminister Sri P. Chidambaram: „Wachstum ist zwar das beste Mittel zur Armutsbekämpfung, dennoch müssen die Regierungen sich jetzt um diejenigen kümmern, die am unteren Ende der Einkommenspyramide stehen. Wohlstand pflanzt sich nicht einfach so nach unten fort. Er erreicht die Ärmsten in einer Gesellschaft – in Indien sind es immerhin 250 Millionen Menschen – nicht automatisch. Über die Hälfte der indischen Bevölkerung hat keinen Zugang zu Bank-, geschweige denn zu Versicherungsprodukten. Dieses Problem anzugehen ist genauso wichtig wie Wachstum zu schaffen.“

“Einkommensschwache leben oft in stark gefährdeten Gebieten und sind vielerlei Risiken ausgesetzt. Sie sind viel häufiger von Krankheit, Unfall oder Behinderung bedroht," sagte C. S. Rao, Vorsitzender der indischen Versicherungsaufsicht IRDA. “Sie sind durch menschengemachte Katastrophen oder Naturkatastrophen von Sachschäden an ihrem Hab und Gut betroffen.“ Rao unterstrich, wie wichtig es ist, speziell auf diesen unterversorgten Personenkreis zugeschnittene, bezahlbare Produkte zu entwickeln. Versicherungen sind ein wichtiges Instrument, um den Menschen zu helfen, mit diesen Risiken zu leben und hart erarbeitete Entwicklungsfortschritte zu sichern.

Der Friedensnobelpreis 2006 ging an Mohammed Yunus und die Grameen Bank für ihre innovativen Instrumente des Mikrofinanzsektors zur Armutsbekämpfung. Obwohl das Hauptaugenmerk auf Krediten zur wirtschaftlichen Förderung von Kleinstunternehmern liegt, bilden Produkte wie Versicherungen unter Nachhaltigkeitsaspekten eine wichtige Ergänzung, um Haushalte mit geringem Einkommen gegen Risiken und Notlagen abzusichern.

Vor diesem Hintergrund ist Indien ein ideales Gastgeberland dieser Konferenz. Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind einzigartig: gewerbliche Versicherer werden ermutigt, Haushalten mit geringem Einkommen Versicherungen anzubieten und Indien gehört zu den Ländern mit den meisten Versicherern, sodass über 30 Millionen Geringverdiener über Absicherungen verfügen.

Thomas Loster, Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung, erklärte: “Da Indien und auch andere Länder von den Folgen der Erderwärmung stark betroffen sind, intensiviert sich die Debatte um Anpassungsstrategien und Versicherungsschutz. Versicherungen helfen den Armen, Notlagen zu schultern, um nicht in noch größere Armut abzurutschen.“ Die Erwartungen an die Mikroversicherung sind hoch. “Insbesondere bei der Agrarversicherung wird es viele neue Lösungen geben,” so Loster.

Allein in Indien gibt es 250 Millionen potenzielle Kunden – wenn man sie erreicht, lässt sich für viele Familien der erlangte Fortschritt auf Dauer sichern, sodass sich die Risiken des Alltags sowie extreme Risiken bewältigen lassen. Nach der vom MicroInsurance Center durchgeführten Studie zur Mikroversicherungslandschaft haben fast 80 Millionen Menschen in den 100 ärmsten Ländern der Erde, davon 85% in Asien, die Möglichkeit, sich zu versichern. Absolut gesehen erscheint die Zahl der Mikroversicherungskunden sehr hoch, in Wahrheit entspricht sie jedoch nur 3% der Armen dieser Welt.

Zentrales Thema der diesjährigen Mikroversicherungskonferenz sind daher die Risiken und Chancen, die sich aus einer Kapazitätserweiterung ergeben, um der enormen Nachfrage gerecht zu werden. Eine zweite Auflage des Buches mit dem Titel „Protecting the Poor: A Microinsurance Compendium“, herausgegeben von Craig Churchill, wurde während der Konferenz präsentiert. Churchill, Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und Vorsitzender der CGAP-Arbeitsgruppe Mikroversicherung, erklärte: „Wir haben in den drei Jahren seit es diese Konferenz gibt dramatische Veränderungen beobachtet. In den Diskussionen werden nunmehr anstelle eines allgemeinen Überblicks über isolierte Einzelfälle nunmehr detaillierte, technische Untersuchungen zu einer Vielzahl von Erfahrungen behandelt.“

Dirk Reinhard, stellvertretender Geschäftsführer der Münchener Rück Stiftung, fügte hinzu: „Es ist erfreulich, dass jeder dritte Konferenzteilnehmer Vertreter eines privatwirtschaftlichen Versicherungsunternehmens ist. Für die Zukunft der Versicherung für die Armen stellt dies eine vielversprechende Entwicklung dar.“ Dies zeigt, dass die Assekuranz einkommensschwache Kunden als Markt mit hohem Wachstumspotenzial erkannt hat.

In seiner Rede erklärte der Finanzminister, dass diese Veranstaltung das wichtigste alljährliche Branchentreffen der Mikroversicherungsexperten sei und schloss mit den Worten: „Ein Pfeiler des kräftigen Wirtschaftswachstums in Indien ist die nachdrückliche Versorgung der Armen mit Finanzinstrumenten wie der Mikroversicherung.“