Nebel entsteht in den Hochebenen von Eritrea.
Die Wasserstiftung hat mit Unterstützung der Münchener Rück Stiftung Netze aufgebaut, die Trinkwasser aus Nebel ernten.

5. Internationale Nebel- und Taukonferenz - Den Durchblick behalten

Nebel ist weit mehr als eine graue Wand, die die Sicht versperrt. Dringt man etwas tiefer, eröffnet sich ein spannendes Forschungsgebiet, auch im Hinblick auf eine mögliche Nutzung des im Nebel enthaltenen Wassers. Mit Fragen rund um dieses Thema beschäftigten sich vom 25. bis zum 30. Juli 2010 auf der 5. Internationalen Nebel- und Taukonferenz in Münster rund 140 Wissenschaftler aus Europa, Amerika, Afrika, Asien und Australien. Die Tagung wurde u.a. von der Münchener Rück Stiftung gefördert.

Weltweit gibt es nur wenige hundert Anwender und Wissenschaftler, die sich mit dem Phänomen der Trinkwassergewinnung aus Nebel und Tau befassen. Deren Motivation und fachliche Hintergründe sind sehr unterschiedlich. „Deshalb bot diese Konferenz eine einzigartige Möglichkeit, die neuesten Ergebnisse und Ideen auszutauschen", betonte Prof. Dr. Otto Klemm, Leiter der Arbeitsgruppe Klimatologie am Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster und Organisator der diesjährigen Konferenz. Sie hat zuvor bereits zweimal in Kanada, einmal in Südafrika und zuletzt 2007 in Chile stattgefunden.

Die Teilnehmer diskutierten unter anderem Faktoren, die das Wachstum der Wassertropfen begünstigen oder die Wechselwirkung zwischen Gasen und Tropfen. Ebenfalls von großem Interesse war die Frage, wie Nebel und Tauwasser die Vegetation beeinflussen. Dabei werden - neben Wasser - viele Nährstoffe im Ökosystem umgesetzt. Eine wichtige Rolle in den Vorträgen spielte auch die Erkennung und Vorhersage von Nebellagen mit Hilfe der Satelliten-Fernerkundung, zum Beispiel für die Anwendung in der Verkehrsleitung.

Nebelernten zur Trinkwassergewinnung
Neben der Analyse von Nebelphänomenen standen anwendungsbezogene Aspekte wie das Sammeln von Nebel und Tauwasser zur Trinkwassergewinnung im Mittelpunkt. In Nebelgebieten, in denen es sehr wenig regnet, ist das „Nebelmelken“ mit großen Netzen erfolgreich. In Südamerika, Afrika und Asien sind erste Projekte mit vielversprechenden Ergebnissen entstanden. Unter günstigen Bedingungen lassen sich im Jahresdurchschnitt pro Quadratmeter Netzfläche mehr als fünf Liter Wasser pro Tag sammeln. Durch den Einsatz von mehreren, jeweils 40 Quadratmeter großen Netzen kann so ausreichend Wasser gewonnen werden, um Menschen und kleine landwirtschaftliche Einheiten zu versorgen.

„Dabei ist es wichtig, die Bevölkerung einzubinden und die lokalen Gegebenheiten, insbesondere die Nebelverfügbarkeit gut zu kennen,“ erklärte Robert Schemenauer, Gründer der Organisation „Fogquest“, dem Pionier beim Aufbau von Nebelkollektoren. „Solange es für die Menschen in bestimmten Regionen keine Alternative gibt, sind Nebelkollektoren oft die einzige Wasserquelle“, so Schemenauer. Sie stellen sozusagen eine „Brückentechnologie“ bis zum Anschluss an eine Wasserleitung oder bis zur Bohrung eines Brunnens dar.

Welche Faktoren über Erfolg oder Misserfolg von Nebelnetzprojekten entscheiden, wurde in einem der abschließenden Workshop analysiert. Dort definierten die Experten 20 Empfehlungen für die erfolgreiche Implementierung von Nebelnetzprojekten – damit der Nebel nicht die Sicht versperrt, sondern die Menschen vielmehr diese besondere Wasserressource nutzen können.