Die Gemeinde L’Islet befindet sich im Süden der Stadt Les Cayes.
Die Sanitäranlagen wurden durch Hurrikan Sandy schwer beschädigt.

Haiti: Hurrikan Sandy, die kaum beachtete Katastrophe

Hurrikan Sandy war eine der schlimmsten Naturkatstrophen im Jahr 2012. Eine Vielzahl an Medienberichten belegen, dass die Schäden insbesondere in den USA immens waren. Insgesamt entstand ein geschätzter volkswirtschaftlicher Schaden von über 50 Mrd. US$. Mehr als 210 Menschen verloren ihr Leben. Während die Verwüstungen an der Ostküste der USA medial omnipräsent waren, wurde übersehen, dass auch andere Länder im karibischen Raum schwer mit den Folgen des Hurrikans zu kämpfen haben.

Zwischen dem 23. und 26. Oktober 2012 passierte Sandy auf ihrem zerstörerischen Weg den Südwesten von Haiti. Obwohl der Sturm die Insel nicht voll traf, waren 75 der 140 Gemeinden im gesamten Land bedroht. Extreme Niederschläge, Flutwellen vom Meer und tosende Winde zerstörten Häuser, Straßen und Brücken. Besonders schlimm ist bis heute die Landwirtschaft des armen Landes in der Karibik betroffen.

Ein weiteres Problem für Haiti war, dass Hurrikan Isaac nur wenige Monate zuvor im August 2012 bereits schwere Schäden in der Landwirtschaft verursacht hatte. Etwa 40 Prozent der Jahresernte fielen den Überschwemmungen, die mit Isaac einhergingen, zum Opfer. Der Süden Haitis, der im August noch weitgehend verschont worden war, verlor jetzt  90.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Durch dieses unglückliche Zusammenspiel sind derzeit 450.000 Menschen - darunter viele Kinder - akut durch Mangelernährung bedroht.

Schwere Schäden an der Infrastruktur
Neben der landwirtschaftlichen Misere bereitet vor allem die stark beschädigte Infrastruktur Sorgen. Eine Bestandsaufnahme Ende 2012 ergab, dass 50 Schulen völlig verwüstet wurden und weitere 100 teils ernsthaft beschädigt sind. Dies betrifft 20.000 Schüler. Sanitäranlagen in den Schulen und den Gemeinden funktionieren nicht mehr richtig und bieten Nährboden für die Ausbreitung von Krankheiten. 22 weitere Cholera-Stationen wurden zerstört, nachdem bereits 38 dieser Einrichtungen Isaac zum Opfer gefallen waren. Im Oktober wurden bereits über 8000 Cholera-Fälle im Land registriert.

Die Aufarbeitung des schlimmen Erdbebens von Port-Au-Prince vom Januar 2010 bindet immer noch viele Hilfslieferungen und Ressourcen im Land. Die Mittel zur Bekämpfung der Folgen von Hurrikan Sandy sind dadurch sehr begrenzt. Das Zusammenspiel dieser vielen Risikofaktoren macht zahlreiche Menschen in Haiti sehr verletzlich und Hilfe ist dringend nötig. Deswegen rufen Organisationen wie SOS-Kinderdörfer eindringlich zur Unterstützung auf.

Die Münchener Rück Stiftung will ebenfalls einen Beitrag leisten: In L’Islet, Marie de les Cayes, einer Gemeinde im Süden Haitis, wurden durch Starkregen und Sturmwinde die Sanitäranlagen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Gemeinde mit mehr als 250 Familien befindet sich in einer Landschaft, die durch Sumpfböden geprägt ist. Allen Menschen standen vor dem Sturm gerade einmal 15 öffentliche Sanitäranlagen zur Verfügung. Die meisten davon sind durch den Sturm schwer beschädigt. Das birgt Gefahren. Bis dato  wurden bereits 10 neue Cholerafälle gemeldet.

Die Reparatur der bestehenden Anlagen sowie der Aufbau fünf neuer Sanitärstationen ist das Ziel eines Projekts, das durch die Organisation SOS-Kinderdörfer in Haiti vorangetrieben wird. Unsere Stiftung finanziert das Vorhaben in L‘Islet, um die Hygienebedingungen in der Gemeinde zu verbessern und die Versorgung mit sauberen Wasser zu gewährleisten. Gerade wegen der auf die USA fokussierte Berichterstattung zu Hurrikan Sandy ist es uns wichtig, auch auf die Menschen hinzuweisen, die allzu schnell vergessen werden. Wir wollen auch die unterstützen, die auf den Schirmen der westlichen Medien nicht so präsent waren.

CB, 28. Januar 2013