Familienoberhaupt beim ersten Test
Blick über das Camp

Erdbeben in Pakistan – Die Münchener Rück Stiftung handelt

Schutz vor dem Winter und sauberes Trinkwasser für hunderttausende Menschen sind bislang nicht sichergestellt. Die Münchener Rück Stiftung leistet einen Beitrag zur Katastrophenhilfe.

Die Ausgangssituation
Nach dem schweren Erdbeben am 3. Oktober 2005 im Norden Pakistans (Kaschmir), bei dem mindestens 85 000 Personen ums Leben kamen, sind unzählige Menschen in den Bergregionen obdachlos. Die internationale Staatengemeinschaft geht momentan von ca. 3,3 Millionen Betroffenen aus (zum Vergleich Tsunami Dezember 2004: 5 Millionen). Die Katastrophe ereignete sich unmittelbar vor dem Winter, der in den Ausläufern des Himalaja sehr schwer ist. Anders als bei der Tsunami-Katastrophe fehlt es an Hilfsmitteln, da die Spendenbereitschaft vergleichsweise sehr gering war. Die wettergeschützte und winterfeste Unterbringung der Menschen sowie ihre Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern sind in dieser Phase der Hilfsoperation die wichtigsten Maßnahmen.

Neben der Unterbringung ist sauberes Trinkwasser ein dringliches Problem. Die Wasserversorgung nehmen die Behörden zunächst nur in den größeren Städten in Angriff; die sanitären Verhältnisse außerhalb der Lagerstrukturen sind folglich katastrophal. Umso wichtiger ist, die Grundversorgung mit Wasser und sanitären Anlagen auch in den spontanen Ansiedelungen im Bebengebiet zu ermöglichen, um Infektionen und weitere Erkrankungen zu verhindern. Besonders Kinder und schwangere Frauen leiden häufig unter schweren Magen-Darm-Erkrankungen, die nicht selten tödlich enden.

Trinkwasserfilter als Nothilfemaßnahme
Bei der Trinkwasserversorgung in Katastrophengebieten ist das Technische Hilfswerk mit seinen einzigartigen Experten und Anlagen weltweit führend. Aufgrund der katastrophalen Situation werden die Helfer des THW deutlich länger in Pakistan bleiben, als sonst bei solchen Einsätzen üblich. Die Münchener Rück Stiftung hat bereits winterfeste Zelte gespendet und mit dem THW eine Initiative zur Beschaffung von „Trinkwasser-Emergency-Kits“ gestartet.

Ziel der Initiative ist, ca. 1 000 bis 2 000 Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, indem die „Kleingruppen-Trinkasserfilter“ beschafft und an Familien außerhalb der Hilfscamps verteilt werden. Mit den einfachen und wartungsfreundlichen Geräten können sich die Familien bis zum Wiederaufbau der lokalen Wasserversorgung selbst mit sauberem Trinkwasser versorgen. Für rund 10 € pro Person kann kurzfristig sauberes Trinkwasser für rund 100 Tage sichergestellt werden. Dies stabilisiert die private Hygienesituation deutlich und verbessert die Überlebenschancen erheblich.

Umsetzung der Maßnahme
Für die gezielte Verteilung an die Bedürftigen wurde vom lokalen Partner des THW, der Dosti Foundation, ein „spontanes Flüchtlingslager“ in der Stadt Balakot ausgewählt, die zu 95 % zerstört ist. In diesem Lager am Berghang leben etwa 150 Familien mit rund 1 000 Flüchtlingen. Sie stammen zum größten Teil aus den umliegenden Bergdörfern, die von den Hilfskräften nicht direkt erreicht werden konnten. Anfang Januar begannen das THW und die Dosti Foundation mit der Verteilung der Trinkwasserfilter.

Vor der Ausgabe von je einem Filter pro Familie wiesen die Mitarbeiter der Foundation in deren Gebrauch ein. Die Begünstigten wurden zusätzlich über die Lagerung und die Hygiene beim Umgang mit Wasser in der lokalen Sprache Urdu informiert. Des Weiteren erhielt jede Familie ein Faltblatt mit der Gebrauchsanweisung; die Original-Gebrauchsanweisung hatten einheimische THW-Mitarbeiter dazu in Urdu übersetzt.

Die Informationsveranstaltung erfolgte in Gruppen zu 10 bis 15 Personen und dauerte eine halbe Stunde. Durch die Prüfung der Bewohnerliste gewährleistete das THW, dass jeweils nur ein Filter pro Familie ausgegeben wurde. Weitere 150 Filter sollen in den nächsten Tagen nach und nach verteilt werden.

Fazit
Insgesamt wurden die Wasserfilter sehr gut angenommen, sie sind an vielen Stellen im Einsatz. Das Beispiel zeigt, dass Hilfsmaßnahmen ankommen, wenn man die richtigen Hilfegruppen und Experten in den Krisengebieten findet und sich zum Partner macht.