Die Effizienz der neuen Netze wird in Marokko geprüft.
Die neuen Kollektoren verwenden verschiedene Netzgewebetypen.

Nebelnetztechnologie 2.0 – Fortschritt durch neuen Kollektor

Seit mehr als sechs Jahren unterstützt die Münchener Rück Stiftung die Trinkwassergewinnung aus Nebelkollektoren. Nach einem ersten Projekt in Eritrea fördern wir derzeit den Aufbau von Nebelnetzen im marokkanischen Antiatlasgebirge und starten ein neues Projekt in Tansania. Viele wertvolle Erfahrungen konnten gesammelt werden, nicht immer hat alles so geklappt wie geplant. Nun kümmern wir uns in einem zweiten Schritt um die Weiterentwicklung der Netztechnologie.

Was tun, wenn die großen Nebelfänger den starken Winden in den Bergen nicht standhalten? Wenn Stützkonstruktionen knicken, Netze einreißen oder sich im Wind so stark wölben, dass das gewonnene Wasser nicht mehr in die vorgesehenen Rinnen fließen kann? Die ursprünglich von der kanadischen Organisation FogQuest entwickelten und in vielen Ländern aufgebauten Nebelkollektoren leisteten in den vergangenen Jahrzehnten wertvolle Dienste. Letztendlich erwiesen sich die 40 m² großen Netzflächen aber in Regionen mit Windgeschwindigkeiten bis 120 km/h als zu groß und teilweise instabil. Daher verkleinerten die Aufbauteams vor Ort die Netzflächen, so geschehen bei unserem Nebelnetzprojekt in Marokko.

Ein neuer dynamischer Nebelfänger
Seit dem Frühjahr 2012 entwickelt der Münchner Industriedesigner Peter Trautwein in Zusammenarbeit mit der Wasserstiftung Ebenhausen einen neuen, dynamischen Nebelfänger. Um die Drucklast des Windes zu reduzieren, verkleinerte er die Netzfläche auf nur 7,4 m² und überarbeitete die statischen Berechnungen. Moderne Befestigungen wie Gummiexpander sowie flexible PVC-Profile ermöglichen eine elastische Aufhängung der Netze. Alle Materialien sind resistent gegen UV-Strahlung und witterungsbeständig, so dass die Konstruktionen nicht unter Einfluss von Sonne und Wind erodieren.

Für Tests stellte Trautwein im Frühjahr 2013 seinen neuen Nebelfänger in Originalgröße in einer Halle bei München auf. Ab Oktober 2013 wird der neue Kollektor auf einem Freigelände der Universität der Bundeswehr in Neubiberg realen Wetterbedingungen ausgesetzt. Dort wird seine Funktionalität und Witterungsbeständigkeit getestet. Die Münchener Rück Stiftung hat die Entwicklungskosten für den Testkollektor getragen.

Testfeld Marokko
In einem nächsten Schritt soll der neue Kollektor in einer Nebelregion auf Effizienz und Stabilität überprüft werden. Unsere Partnerorganisation Dar Si-Hmad in Marokko hat zugestimmt, ein großes Testfeld im Projektgebiet am Boutmezguida anzudocken: Es entsteht ein neues Hochlandlabor für die Nebelnetztechnologie. Im November 2013 will Peter Trautwein mit Unterstützung der Wasserstiftung seine neu konstruierten Nebelfänger aufbauen. Sechs unterschiedlich Netzgewebetypen sollen nebeneinander eingehängt und getestet werden. Zusätzlich werden die Wassererträge mit den Ergebnissen herkömmlicher Nebelnetzen verglichen. Alle Beteiligten sind sehr gespannt auf die ersten Ergebnisse, wenn im Winter 2013/2014 die nächste Nebelsaison beginnt.

Nebelnetztechnologie 2.0
Gelingt es, die Nebelnetztechnologie erfolgreich weiter zu entwickeln, wollen wir das Projektgebiet in Marokko zum internationalen Pilotprojekt für Trinkwassergewinnung ausbauen und damit zeigen, wie die Technologie weltweit Schule machen kann. Ein wichtiges Ziel, das es wert ist, engagiert weiterzumachen!


MM, 24. September 2013

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