Der Industriedesigner Peter Trautwein nimmt Wasserproben, um die Qualität zu testen.
Verschiedene Netze produzieren unterschiedlich viel Wasser.

FogHarvester liefert erste Ergebnisse

Seit November 2013 steht eine große Testanlage mit sechs Nebelkollektoren auf dem Gipfel des Mount Boutmezguida in Marokko. Das Ziel: Aus Nebel und Tau Trinkwasser gewinnen. Zum Ende der Nebelsaison im Juni 2014 liegen nun die ersten Ergebnisse vor – sie sind beeindruckend.

Die Nebelnetz-Technologie verbessern und das mit möglichst einfachen Mitteln und bei geringen Kosten. Das ist das Ziel der WasserStiftung Ebenhausen zusammen mit dem Münchner Industriedesigner Peter Trautwein. Über 18 Monate hat er sich mit der Methode der Trinkwassergewinnung aus Nebel befasst und einen neuen Kollektor entwickelt. Nun steht sein FogHarvester auf 1.225 Meter Höhe im Antiatlasgebirge. Er soll entscheidende Erkenntnisse über die beste Konstruktion und die effektivsten Netzmaterialen liefern. Netzgewebe, Pfosten, Stahlseile und Gummiexpander werden bei extremen Wetterbedingungen und Windgeschwindigkeiten bis zu 120 km/h getestet. Die Münchener Rück Stiftung unterstützte den Aufbau finanziell und stellte wichtige Kontakte in Marokko her, vor allem zum Projektpartner Dar Si-Hmad.

Was ist neu am FogHarvester?

Ohne Wind, kein Wasser. Denn der treibt die schwebenden Wassertröpfen in den Kollektor. Um den Wind sprichwörtlich aus den Segeln zu nehmen und seine Zerstörungskraft zu reduzieren, verkleinerte Peter Trautwein die ursprünglich verwendete, große Netzfläche: von 40 m² auf nur noch 9 m². Sechs dieser kleinen Netze wurden – jedes einzeln mit Gummiexpandern befestigt – in Metallrahmen nebeneinander gespannt. Eingehängt sind sechs verschiedene Netzmaterialien und -strukturen, vom einfachen sogenannten Raschelnetz, das jahrelang bei Nebelnetzen verwendet wurde, bis zum dreidimensionalen High-Tech-Gewebe. Ein robustes Kunststoffgitter stützt das feine Gewebe ab, es hält das Netz von hinten gegen den Wind. Neu ist auch die dynamische Netzhalterung. Nicht starr und unbeweglich, sondern flexibel und gleichzeitig scheuer- und witterungsbeständig ist die neue Netzkonstruktion mit Gummiexpandern. Die Tropfwasserrinnen sind aus flexiblem, lebensmittelechten Poly-Ethylen gefertigt, sie sind biegsam und im Wind beweglich. Alle verwendeten Materialien sind UV-stabil, denn nicht nur die Kraft des Windes, auch die der Sonnenstrahlung ist nicht zu unterschätzen.

Forschung unterstützt

Prof. Annette Menzel, Fachgebiet für Ökoklimatologie an der TU München, und ihr Team begleiten das Nebelnetzprojekt wissenschaftlich. Während der vergangenen Nebelsaison von Dezember 2013 bis Juni 2014 wurden auf dem Gipfel des Boutmezguida täglich Wassererträge, Windgeschwindigkeit und -richtung, Temperatur sowie relative Luftfeuchtigkeit gemessen. Die dafür notwendigen Messgeräte konnte die TU München mit unserer finanziellen Unterstützung anschaffen. Mitarbeiter der TU montierten zusammen mit dem Team der WasserStiftung und lokalen Helfern Kippzähler, Windmesser und die notwendigen Datenlogger, letztere übertragen automatisch die gemessenen Daten nach München. Das ist wichtig. Technische Ausfälle werden sofort entdeckt.

Nicht immer verlief alles reibungslos: Sand im Nebelwasser ließ die Kippzähler ausfallen, beim Datenauslesen traten Probleme auf, ein technischer Fehler am Datenlogger wurde erst spät bemerkt. Nach Bewältigung der anfänglichen Schwierigkeiten und sechs Monaten der Datenerfassung sowie -auswertung sind Prof. Menzel und ihre Mitarbeiter zu Recht stolz auf die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit. Im Rahmen des Projektes konnten bis dato zwei Bachelorarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden, die wichtige Erkenntnisse zu Netztypen, -erträgen und zur Hängetechnik hervorbrachten.

Vielversprechende Ergebnisse

Von allen Projektpartnern mit Spannung erwartet, liegen nun die ersten Auswertungen der erzielten Wassermengen vor. Sie zeigen eindeutig, dass drei der sechs getesteten Netzgewebe konstant die höchsten Wassererträge liefern. Sie liegen etwa um ein Drittel höher als bei dem früher verwendeten Raschelnetz. Das ist ein sehr beeindruckendes und erfreuliches Ergebnis: Bedeutet doch jeder Liter Wasser mehr eine wertvolle Verbesserung von Lebensqualität von Mensch und Tier.

Auch die Qualität des Nebelwassers wurde genau analysiert. Es ist sehr viel sauberer als das Wasser aus dem Brunnen, der bisher als einzige Trinkwasserquelle dient. Überraschend für alle war der geringe Gehalt von Mineralien im Nebelwasser. Dieser Wert ist offenbar stark vom Standort der Nebelnetze abhängig. Kein Problem sagen die Experten: Es ist ohnehin geplant, das Nebelwasser mit Grundwasser aus der Region zu mischen. Damit wird der niedrige Wert wieder ausgeglichen.

Weitermachen und Verbessern heißt es nun für Peter Trautwein und die WasserStiftung. Bereits Ende Oktober 2014 reist er wieder ins Projektgebiet. Auch die TU München arbeitet weiter mit. Konstruktionsdetails werden verbessert, Gummiexpander ausgetauscht, Auffangrinnen vergrößert. Datenlogger erneuert und Netzgewebe getauscht. Der FogHarvester soll noch bessere Erträge liefern. Wenn er 2015 richtig zum Einsatz kommt, muss alles perfekt sein.

JEL, 30 Oktober 2014