Das Team vor Ort prüft den Erfolg der Nebelnetze bei Agni Zekri in Marokko.
Die großen Netze können 400 Liter Wasser pro Tag sammeln.

Neues Nebelnetzprojekt in Marokko

In der Trockenzeit von Juni bis September verbringen die Dorffrauen im Bergland von Marokko täglich über 3 Stunden damit, Wasser vom nächsten Brunnen für die Familie zu holen. Seit Anfang Juli 2011 werden dort mit Unterstützung der Münchener Rück Stiftung Nebelnetze zur Verbesserung der Wasserversorgung aufgebaut. Ziel ist es, künftig für drei Dörfer und eine Schule in abgelegenen Bergregionen im Nordwesten Afrikas Trinkwasser aus Nebel zu gewinnen.

Es ist eigentlich ganz einfach: So wie sich der Morgentau in Spinnennetzen sammelt, so können in manchen regenarmen, aber nebelreichen Gebieten der Erde große Nebelnetze die Feuchtigkeit aus der Luft einfangen. Damit sichern sie die Trinkwasserversorgung der Menschen in der Umgebung. So auch im Bergland von Marokko rund um den Boutmezguida Mountain im Antiatlas-Gebirge. Das Nebelnetzprojekt der Organisation Dar Si-Hmad wird nicht nur mehrere hundert Menschen mit Trinkwasser versorgen, sondert verbessert vor allem auch die Lebensbedingungen der Frauen und Kinder in der Dorfgemeinschaft. Es wurde im Rahmen unserer Ausschreibung zur Förderung von Nebel- und Tauprojekten unter sechs Bewerbungen aus Tansania, den Kapverdischen Inseln, Indien und Marokko ausgewählt.

Der Aufbau hat begonnen
In einer vierjährigen Testphase mit kleinen Nebelkollektoren wurde von 2007 bis 2011 das Potenzial der Trinkwassergewinnung aus Nebel vor Ort bereits genau analysiert Von Dezember bis Juni bildet sich in der trockenen Bergregion des Antiatlas-Gebirges aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit von fast 90% sehr häufig dichter Nebel. Der Nebel wird mit speziellen Netzen ausgesiebt bzw. gemolken. Dabei lagern sich die feinen Nebeltröpfchen an Fäden an und werden in eine Fangrinne abgeleitet. Die Technik wurde von der kanadischen Organisation FogQuest entwickelt und optimiert.

Im Juli 2011 begann auf dem 1225 Meter hohen Boutmezguida Montain der Aufbau der 40 m² großen Nebelnetze. Jedes Netz kann durchschnittlich 400 Liter Wasser am Tag sammeln. Insgesamt werden 15 Netze aufgebaut. Das gewonnene Wasser wird auf dem Berg in Fässern gesammelt und fließt anschließend gefiltert bergab in große Tankbehälter mit einer Kapazität von bis zu 300 m³. Über Pipelines gelangt das Wasser dann in die Dörfer Agni Zekri und Agni Ihya. Aufgrund der Größe der Wassertanks wird gewährleistet, dass die Wasserversorgung für die Menschen und ihre Nutztiere über einen längeren Zeitraum gesichert ist.

Weitere Schritte
Wenn alles nach Plan läuft, dann sind bis Ende September 2011 alle Nebelnetze aufgestellt. Danach werden in einer zweiten Projektphase die Wassertanks, die Filteranlage und das Pipelinesystem in den Dörfern errichtet. Diese Arbeiten sollen im Dezember 2011 abgeschlossen werden.

Dar Si-Hmad arbeitet bei der Umsetzung des Projektes sehr eng mit lokalen Gemeindekomitees, aber auch mit externen Experten und den Dorfbewohnern zusammen. Während Spezialisten den Aufbau der Netze betreuen, werden die Tanks und das Rohrsystem von den Dorfbewohnern selbst errichtet. Frauen und Kinder werden bei der Überwachung und Evaluierung eng mit eingebunden sein. Die Wartung der Netze wird zukünftig die Aufgabe der lokalen Gemeindekomitees sein. Die Einbindung der lokalen Bevölkerung ist wichtig, wenn das Projekt nachhaltig sein soll.

Einmal mehr zeigt sich: Zielorientierte kleine Projekte, welche die Bevölkerung eng einbinden und auf konkrete Situationen abgestimmt sind, können dazu beitragen, die Lebensumstände von Menschen im Risiko zu verbessern.

Wasser

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Kontakt

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Projektpartner

> Dar Si-Hmad