Helfer legen Hand an bei der Fertigstellung der Netze, bevor diese ins Bergland transportiert werden.
Dorfbewohner bereiten bei Temperaturen bis zu 40 Grad den Standort für die geplanten Kollektoren vor.

Nebelnetze in Marokko – Die Herausforderungen meistern

Im Hochland von Marokko, stehen seit Ende 2011 die ersten 19 Nebelnetz-kollektoren mit einer Gesamtfläche von knapp 300 m². Zukünftig soll annähernd die doppelte Anzahl dieser Netze zusammen mit einem Wasserleitungssystem und Speicherzisternen die lokale Bevölkerung mit Trinkwasser für das ganze Jahr versorgen. Bis es soweit ist, müssen noch einige Aufgaben erledigt werden.

Es klingt so einfach: Nebelnetze zusammenbauen, aufstellen und Wasser gewinnen. Und doch ist es in der Realität komplizierter und braucht seine Zeit. Zunächst müssen die Bodennutzungsrechte in der Zielregion geklärt sein, was insbesondere wichtig ist, wenn es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Das ist in unserem Projektgebiet am 1225 Meter hohen Boutmezuida der Fall. Ebenfalls müssen alle nötigen Materialien, die nicht in Marokko beschafft werden können, importiert werden. Die Verhandlungen mit den Zollbehörden können sich in die Länge ziehen.

Neben diesen bürokratischen Hürden gibt es logistische Herausforderungen, da die Projektregion „Boutmezuida“ sehr abgelegen und schlecht erschlossen ist. Unser Projektpartner Dar Si-Hmad berichtet, dass die Straße in die Zielregion in weiten Teilen nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahren werden kann – und selbst das ist angesichts steiler Abhänge und abbrechender Straßenstücke ein gewagtes Unterfangen. Mit Flexibilität sind diese Aufgaben aber zu meistern. Große Materialien werden mit Eseln und Mulis transportiert, diese umschiffen selbst die gefährlichsten Stellen.

Aus Erfahrungen lernen
Bei dem ersten von der Münchener Rück Stiftung geförderten Nebelnetzprojekt im Hochland von Eritrea verursachten die starken Bergwinde immer wieder Schäden an den Netzen. Bei mehreren Tests stellte Dar Si-Hmad im Herbst 2011 in Marokko fest, dass die ursprünglich geplanten 40 m² großen Netze dem starken Wind in der Region ebenfalls nicht standhalten würden. Deshalb entschloss sich die Hilfsorganisation, kleinere Doppelkollektoren aufzubauen. Insgesamt stehen mittlerweile 19 Einheiten mit je 15 m² Fläche, was einer Gesamtnetzfläche von 285 m² entspricht.

Gleichzeitig hat Dar Si-Hmad begonnen, die ersten Pipelines und Zisternen zu bauen. Die Begeisterung der Menschen vor Ort ist groß. Gemeinsam mit lokalen Arbeitern und Verantwortlichen werden die Wasserleitungen verbunden und an bereits rudimentär bestehende Zisternensysteme angeschlossen. Die Wasserversorgung für die erste Gemeinde Tamerout soll so bis Ende Februar 2012 sichergestellt sein.

Ausblick
In den nächsten Monaten werden weitere 7 km Wasserleitungen gebaut. Um den Trinkwasserbedarf auch während der trockenen, nebellosen Zeit zu decken, sollen die Wasserspeicher erweitert werden. Auch die zukünftige Sicherstellung der Trinkwasserqualität in allen Zisternen muss gewährleistet werden. Mittelfristig soll die bisher vorhandene Netzfläche verdoppelt werden.

Die Anfangshürden sind überwunden. Für jede Herausforderung haben unsere Partner und die Menschen vor Ort passende Antwort gefunden. Wir freuen uns auf den weiteren Ausbau des Nebelnetzsystems, von dem am Ende mehrere Dörfer im Hochland profitieren.

10. Februar 2012

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Kontakt

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Projektpartner

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