Projektbesuch in Marokko: Die harte Arbeit hat sich gelohnt!

Auf dem Berg Boutmezguida im marokkanischen Antiatlasgebirge stehen seit Herbst 2012 die Netzkonstruktionen für 600 m2 Nebelnetzfläche. Sie sollen die Menschen in der wasserarmen Bergregion mit Trinkwasser versorgen. Im Februar 2013 reisten wir nach Marokko und besuchten das Projektgebiet.

Die Projektleitung unserer Partnerorganisation Dar Si Hmad hat mit einem Team von lokalen Helfern, Wasseringenieuren  und externen Nebelnetzspezialisten viel erreicht: Nebelnetze  wurden gespannt, Leitungen ins Tal verlegt, Wassertanks gebaut und erneuert. Harte Arbeit im steilen, steinigen Gelände. Stolz steht Jamila Bargach neben der neu gemauerten Wasserstelle im Dorf Sidi Zekri. Sie dreht am Wasserhahn und klares Wasser strömt aus der Leitung – kilometerweit war es unterwegs, vom Gipfel des 1225 m hohen Mount Boutmezguida ins Tal . Für die Dorfbewohner bedeutet die neue Wasserstelle ein großes Plus an Lebensqualität: Verbringen die Frauen  und Mädchen der Dörfer bisher doch bis zu dreieinhalb Stunden täglich damit, Trinkwasser von der einzigen Quelle in der Region zu holen.  Jamila, die Projektleiterin von Dar Si Hmad, erklärt uns: „Dieses Wasser ist nur zum Teil Nebelwasser. Um das knapp sieben km lange Leitungssystem überprüfen zu können, war es notwendig, tonnenweise Wasser aus Tankwagen in das System einzuspeisen.“ Und es hat funktioniert. „Alle Leitungen sind dicht“, strahlt Jamila. Seit dem Sommer 2011 arbeitet das Projektteam  nun schon in der Region um den Boutmezguida und kämpft mit immer neuen Herausforderungen. Dar Si Hmad for Development, Education and Culture  kümmert sich als unabhängige, gemeinnützige Organisation seit Jahren um nachhaltige Entwicklungsprojekte im Südwesten Marokkos.

Die Dörfer Agni Zekri, Sidi Zekri und Agni Ihya sind bereits angeschlossen
Wir sind beeindruckt. Nach einer langen Besichtigungstour durch das gesamte Projektgebiet ist uns klar, wie schwierig es ist, dieses Nebelnetzprojekt umzusetzen und 20 große Nebelnetze in schwindelnder Höhe zu verankern. Während der Fahrt auf der teils sehr steilen und abschüssigen Straße machen wir einen ersten Stopp bei der auf 666 m Höhe liegenden Zisterne. Sie wurde vollständig renoviert und gefliest und dient als großer Sammeltank und Speicher für das gewonnene Nebelwasser. Ein neu gebauter Technikraum bietet Platz für technische Geräte. Direkt neben der Zisterne spielen die Kinder der einzigen Grundschule der Gegend vor dem Schulgebäude. Auch die Schule profitiert vom Nebelnetzprojekt: Durch die Zisterne gibt es künftig immer Trinkwasser für Schüler und Lehrer. Sehr wichtig in einer Region, in der es seit über drei Jahren nahezu keinen Regen mehr gab. Der Klimawandel ist auch hier bereits zu spüren.

Von der Zisterne führt eine im steinigen Boden verlegte Wasserleitung den Berg hinab in die drei Dörfer Agni Zekri, Sidi Zekri und Agni Ihya.  Jeweils im Abstand von 100 Metern hat das Team einen kleinen Schacht in den Boden gegraben. An diesen Stellen kann die Fließgeschwindigkeit des Wassers abgelesen und im Falle eines Lecks die Leitung geschlossen werden. Die Wasseringenieure haben im Vorfeld verschiedene mögliche Probleme durchgespielt und die lokalen Helfer haben in wochenlanger, schwerer Arbeit die Gräben ausgehoben. Jamila gesteht uns: „Manchmal hatte ich wirklich Zweifel, ob wir das schaffen.“

Die Nebelnetze funktionieren
Wir fahren weiter auf den Gipfel des Boutmezguida. Hier stehen die Nebelnetze. Beindruckend, 20 Doppelnetzkollektoren mit einer Netzfläche von jeweils 30 m2 verteilen sich auf dem, dem Meer abgewandten Bergrücken direkt unterhalb des Gipfel. Wenn hier in den Monaten von Dezember bis Juni regelmäßig starker Nebel vom Atlantik aufsteigt, sammeln sich die Wassertröpfchen in den Netzen und fließen über eine Auffangrinne und ein Leitungssystem direkt in einen ersten großen Sammeltank – an einem guten Nebeltag sind es bis zu 6000 Liter. In dem gemauerten Wasserbehälter etwas unterhalb des Gipfels wird das Wasser gesammelt, bevor es durch eine Filteranlage in einer Wasserleitung talwärts in die Zisterne und dann weiter in die Dörfer fließt. „Doch noch ist es nicht soweit“, erklärt uns Jamila. „Uns fehlt das Netzmaterial für ca. zehn Kollektoren und die Filteranlage muss auch noch finanziert, gekauft und auf den Gipfel transportiert werden. Dann kann das Nebelwasser talwärts fließen.“

Aber Jamila kann trotzdem sehr stolz auf das bisher Erreichte sein. Sie hat mit ihrem Team sehr hart gearbeitet. Nahezu ohne technische Hilfsmittel mussten tiefe Gräben für die zahlreichen Masten der Kollektoren und Befestigungspflöcke der Spannungsseile in den granitharten Boden gegraben werden. Auch gegen die starken Winde am Berggipfel gilt es ständig anzukämpfen. Jamila zeigt uns ein neu eingehängtes Netz, das an einer Ecke bereits eingerissen ist. Offenbar war die Spannung an einem windigen Tag zu groß geworden. Ist ein Netz erst einmal eingerissen, geht es schnell ganz kaputt. „Der Wind arbeitet gegen uns, aber wir lernen jeden Tag dazu“, sagt sie. Der Erfolg gibt ihr Recht: Die zehn bereits vollständig funktionsfähigen Nebelkollektoren haben den Auffangtank bereits mehrmals gefüllt.

Nächste Schritte
Noch gibt es einige Aufgaben zu erledigen und Fragen zu lösen bevor das Nebelnetzprojekt an den Wassermanager und zukünftigen Hauptverantwortlichen Hussein, einem jungen Mann aus dem Dorf Agni Ihya, übergeben werden kann: Nebelkollektoren müssen fertiggestellt und die Filteranlage eingebaut werden. Es ist geplant, eine kleine technische Überwachungsstation direkt unterhalb des Gipfels zu bauen, wo die Funktion der Nebelkollektoren ständig geprüft wird. Bei Problemen sollen elektronische Fehlermeldungen ins Tal gesendet werden. Geklärt werden muss auch die Frage, ob und wie die nachträgliche Mineralisierung des Nebelwassers erfolgen soll. Denn wenn die notwendigen Mineralien im Trinkwasser fehlen, kann es zu Gesundheitsschädigungen bei den Dorfbewohnern kommen. Schließlich sollen in den drei Dörfern die Wasserleitungen bis an jedes private Haus gelegt werden: ein Luxus, den sich die Dorfbewohner heute noch gar nicht vorzustellen wagen! Doch für dieses Vorhaben muss erst noch die Restfinanzierung geklärt werden. „Das Nebelnetzprojekt wird uns noch einige Zeit beschäftigen“, sagt Jamila „aber die harte Arbeit hat sich gelohnt, wir werden weitermachen und schon bald die Dörfer in der Region versorgen!“

26. März 2013
 

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