Das Wasser gelangt bis in die Häuser der Dorfbewohner.
Hochrangige Politiker, wie der Gouverneur von Sidi Ifni, nahmen an der feierlichen Eröffnung teil.
Jamila Bargach, Projektmanagerin, erhält eine Ehrenurkunde für den außergewöhnlichen Erfolg des Projekts.

„Wasser marsch!“ im Antiatlas – Einweihung des Nebelnetzprojekts in Marokko

Rund zehn Jahre hat es von der Vision bis zur Realität gedauert. Nun versorgen Nebelnetze mehrere Hundert Menschen im kargen Bergland des Antiatlas mit Trinkwasser. Gewinner sind vor allem die Frauen: Sie sparen jetzt jeden Tag vier Stunden Fußweg zum Wasserholen.

Pünktlich zum internationalen Weltwassertag am 22. März wurde unser Nebelnetzprojekt am Mount Boutmezguida feierlich eröffnet. Nun fließt endlich Nebelwasser vom 1.225 Meter hohen Berg ins Tal und versorgt vier Dörfer sowie eine Schule. „Es war ein langer Weg", sagte Aissa Derhem, Präsident der NGO Dar Si-Hmad, bei der feierlichen Einweihung des Projekts nahe Sidi Ifni, „aber nun sind wir am Ziel. Die Zisternen sind voll mit Wasser und wir können die Menschen mit Trinkwasser versorgen."

Rund 450 Menschen nahmen an  den Feierlichkeiten Teil. Reden des Gouverneurs der Provinz Sidi Ifni und des Vize-Botschafters der USA unterstrichen die Leistungen der NGO und ihrer zahlreichen Helfer. Rund acht Kilometer Wasserleitungen wurden in den steinharten Berghängen verlegt, Zisternen erneuert und gebaut, schließlich wurden Wasserabschlüsse bis in die Haushalte gelegt. Bis dato hatten die Dorfbewohner täglich nur etwa acht Liter Wasser zur Verfügung, nun können sich alle ausreichend versorgen. Gewinner sind vor allem die Frauen, die bislang das Trinkwasser aus einem weit entfernten Brunnen holen mussten. Doch das Nebelwasser ist nicht umsonst. Pro angeschlossenem Haushalt müssen monatlich rund zwei Euro Wassersteuer bezahlt werden und ca. 40 Eurocent pro Tonne Wasser. „Wenn das Wasser keinen Wert hat, wird es vergeudet," unterstreicht Aissa Derhem, „unser Nebelwasser ist sogar günstiger als das Wasser bei den Brunnen. Nun geht es darum, das Projekt zu kommerzialisieren, sonst kann es nicht nachhaltig laufen." Denn die Pflege der Anlage kostet Geld. „Mittelfristig, wenn alles gut läuft, wollen wir das Projekt an die Menschen in den Gemeinden übergeben", sagt Derhem stolz.
 
Die Nebelnetze liefern in der Nebelsaison von Dezember bis Juni mehrere tausend Liter Trinkwasser am Tag. Genug um mehr als 400 Menschen zu versorgen. Sie decken etwa die Hälfte des Bedarfs der Region. Zisternen am Berg stellen sicher, dass das Wasser bis weit in die Trockenzeit zur Verfügung steht.

„Es gab immer wieder Rückschläge", erzählt Jamila Bargach, die Projektleiterin. „Netze rissen ein, immerhin kommen am Berg Windstärken bis zu 100km/h vor. Oft waren die Straßen unpassierbar oder sie wurden geschlossen. Ein Durchbruch war für mich der Moment, als USAID und die Münchener Rück Stiftung uns eine Förderung zusagten. Da wussten wir, dass wir anerkannt werden und das hat uns einen Schub verliehen."

In der Zwischenzeit ist im Rahmen des Projekts ein Hochlandlabor entstanden. Peter Trautwein, Ingenieur der WasserStiftung Ebenhausen, testet neue Netzmaterialien und stabilere Netzkonstruktionen. Mit der Förderung der Münchener Rück Stiftung sollen Nebelnetze einer neuen Generation entstehen – windfest und mit deutlich höheren Erträgen. „Wenn wir das Projekt hier konsolidiert und es komplett mit deutschen Netzen, wie wir sie nennen, ausgestattet haben, können wir die Technologie in Marokko und in anderen Ländern multiplizieren", sagt Aissa Derhem, „dann können wir beweisen, dass eine einfache und innovative Technologie in der Lage ist, die Lebensbedingungen von unzähligen Menschen in Nebelregionen zu verbessern. Ein fernes Ziel ist am Weltwassertag in greifbare Nähe gerückt!"


27. März 2015

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Projektpartner

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