An den Schulstandorten Qameyu und Umagi wurden zwei große Zisternen mit 10.000 bzw. 20.000 Litern Kapazität gebaut.
Die Wasserspeicher wurden von den staatlichen Wasseringenieuren der Region Babati bereits im November 2015 ohne Beanstandungen abgenommen.

Nebelnetze Tansania – Neue Zisternen sichern Wasserversorgung

Seit mehr als acht Jahren unterstützt die Münchener Rück Stiftung Projekte zur Trinkwassergewinnung aus Nebel und Tau. Die deutsche Non-Profit-Organisation p(e)d world begann bereits 2009 damit, im Hochland von Babati Nebelnetze aufzubauen. Seit 2015 gibt es zwei neue Zisternen, die 30.000 Liter Wasser fassen.

Nebelkollektoren können in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit wertvolles Trinkwasser liefern. Die Methode ist denkbar einfach, sie hat in ariden Regionen enormes Potenzial. Voraussetzung ist eine dauerhafte, natürliche Nebelbildung. Die Kollektoren fangen diesen Nebel ein, es entstehen kleine Wassertröpfchen, die an den Netzen hinunterlaufen und in Auffangbehältern gesammelt werden. Das gewonnene Nebelwasser hat Trinkwasserqualität und kann sofort verwendet werden.

Bereits seit 2008 betreuen Bernhard Küppers und Christina Bösenberg von p(e)d world e.V. Schulprojekte in Tansania. Seit 2009 kümmern sie sich auch um die Trinkwasserversorgung an Schulen. Klassischer Brunnenbau ist in der Region Babati nicht möglich. Das Trinkwasser an den Wasserstellen ist oft verschmutzt und schlammig. Kinder – vor allem Mädchen - müssen sich tagtäglich mehrere Stunden auf den Weg machen, um Wasser zu holen. Die Voraussetzungen für das „Nebelernten“ sind in der Gegend ideal. Über mehreren Salzseen bildet sich Nacht für Nacht dichter Nebel, der an der afrikanischen Bruchkante aufsteigt. Thermische Winde treiben den Nebel über die auf 2000 Metern Höhe gelegene Ebene. Dort stehen die Kollektoren.

Trinkwasser für fünf Schulen
Die Projektorganisatoren von p(e)d world stellten zuerst kleine Testkollektoren auf. Ein Jahr lang wurde die Wasserausbeute an zehn verschiedenen Standorten gemessen, dann konnte das Projekt starten. 2010 wurden die ersten vier Doppelkollektoren mit jeweils 80 Quadratmetern Netzfläche an zwei Schulen in Qameyu und Umagi aufgebaut. Mit Fördergeldern der Münchener Rück Stiftung kamen 2013 sieben weitere Kollektoren an drei Schulstandorten hinzu. Fast 1.700 Schüler  profitieren nun vom Nebelwasser. Ein weiterer Doppelkollektor steht im Dorf Daraja la Mungo. Er versorgt die Dorfbevölkerung.

Zisternen sichern die Versorgung
Mit der Gewinnung von Trinkwasser alleine ist es nicht getan. Mindestens genauso wichtig ist es, das Wasser für nebelarme Zeiten zu speichern. Bislang wurden in Tansania schwarze Plastikkanister als Auffangbehälter verwendet. Sie sind aus nicht-lebensmittelechten Kunststoff und stehen neben den Nebelnetzen direkt im Sonnenlicht. Das Wasser kann darin nur wenige Tage gespeichert werden, da sich die Wasserqualität in den Containern schnell verschlechtert.

Daher entschieden sich die Projektleiter von p(e)d world, an den Schulstandorten Qameyu und Umagi zwei große Zisternen mit 10.000 bzw. 20.000 Litern Kapazität zu bauen. Einheimische Baufirmen machten sich ab August 2015 an die Arbeit, alles verlief reibungslos. Die Wasserspeicher wurden von den staatlichen Wasseringenieuren der Region Babati bereits im November 2015 ohne Beanstandungen abgenommen. Die Münchener Rück Stiftung unterstützte finanziell.

Der Bedarf ist groß
Leider reicht das gewonnene Nebelwasser in Qameyu und Umagi immer noch nicht aus. In jeder Schule müssen täglich mehr als 500 Schüler versorgt werden. Der Wasserbedarf ist groß. Deshalb entschieden sich die Projektleiter dazu, auch das Regenwasser von den Schuldächern zu sammeln (rainwater harvesting) und in Tanks zu leiten. An fast allen Schulgebäuden wurden Regenrinnen angebracht. In Umagi installierte man zusätzlich eine Reinigungsanlage, die hohe Qualität des Wassers gewährleistet.

All diese Maßnahmen verbessern nachhaltig die Lebensumstände der Schulkinder in Qameyu und Umagi. Obwohl das Wasser und die Speicherkapazitäten noch immer nicht ganz ausreichen, um die Schulen das ganze Jahr über zu versorgen, sind die kleinen Projekterfolge dennoch lohnend: Sie zeigen, wie wichtig es ist, immer weiter an Verbesserungen zu arbeiten.

MM, 18. Dezember 2015

 

 

 

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