Der in Marokko entwickelte CloudFisher kommt nun auch in Tansania zum Einsatz.

Technologietransfer in der Praxis – CloudFisher in Tansania

Seit 2011 baut die deutsche Organisation p(e)d world in Tansania Nebelkollektoren auf. Nun soll ein in Marokko erfolgreich getesteter neuer Kollektortyp Trinkwasser für 800 Schüler liefern. Damit kommt der CloudFisher erstmals in einem anderen Projektgebiet zum Einsatz.

In der Region Babati südwestlich des Kilimanjaro eignen sich die klimatischen und topografischen Rahmenbedingungen bestens zur Wassergewinnung mit Nebelkollektoren. Über großen Salzseen bildet sich Nacht für Nacht starker Nebel. Ein Bergrücken entlang der afrikanischen kontinentalen Bruchkante sorgt für thermische Winde, die den Nebel über das Hochland und in die Kollektoren treiben. Die Nebeltröpfchen bleiben in den Netzen hängen, vereinen sich zu großen Tropfen und laufen in die Auffangrinnen. Das Nebelwasser wird in Wassertanks gesammelt oder in große Wasserreservoirs weitergeleitet. 

Sauberes Trinkwasser für Schulen
13 Doppelkollektoren mit einer Netzfläche von jeweils 80 m² und zwei große Zisternen hat p(e)d world seit 2011 – zum Teil mit finanzieller Unterstützung der Münchener Rück Stiftung – aufgebaut. Mit dem Wasser werden Schulkindern in mehreren Schulen und zwei Dörfern versorgt. In der Qameyu-Secondary-School profitieren 800 Mädchen und Jungen davon. Klassischer Brunnenbau ist dort nicht möglich, da die Siedlungen auf einer Hochebene liegen. Kinder – vor allem Mädchen – mussten vorher täglich mehrere Stunden laufen, um Wasser, meist schlechter Qualität, zu holen.
 
Bernhard Küppers, Geschäftsführer von p(e)d world, ist sehr zufrieden mit den Nebelnetzprojekten seiner Organisation in Tansania. Viele Kollektoren liefern seit Jahren sauberes Trinkwasser. Natürlich gehen Netze und Auffangrinnen nach einigen Jahren kaputt und müssen ausgetauscht werden. Vivian Ernest, der Projektleiter vor Ort, kümmerte sich bisher zeitnah um alle Wartungsarbeiten. So konnte das Nebelwasser kontinuierlich fließen, auch wenn immer wieder Schäden an den empfindlichen Netzen der alten Technologie auftraten.
 
CloudFisher erstetzt altes Netz
Nun muss am Hauptstandort Qameyu ein alter Kollektor ganz ersetzt werden: Stahlseile und Netze sind teilweise zerrissen, die Auffangrinnen nach langer Nutzung verrostet. Mit finanzieller Unterstützung der Münchener Rück Stiftung wird im Frühjahr 2017 in Qameyu ein CloudFisher, ein Kollektor der neuen Technologie, aufgebaut werden.
 
Davon profitieren die Schüler der Secodary-School deutlich, liefert der CloudFisher doch wesentlich höhere Wassererträge als die alten Netze und muss kaum gewartet werden. Für den Münchner Entwickler Peter Trautwein ergibt sich die gute Gelegenheit, seinen neuen Kollektor auf ca. 2.500 m Höhe in Äquatornähe – und damit unter ganz anderen Bedingungen als in Marokko – in der Praxis zu testen.
 
Der neue CloudFisher war zuvor im marokkanischen Antiatlas während einer dreijährigen Entwicklungs- und Testphase immer wieder verbessert und erprobt worden. Von Januar 2017 an soll er dort in einem großen Projektgebiet ausgebaut werden. Mit dem Kollektorbau in Tansania findet die neue Technologie nun erstmals in einer anderen Region Anwendung. So ergibt sich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Innovation und Technologietransfer funktionieren in der Praxis und die Menschen vor Ort haben mehr sauberes Trinkwasser.
 
MM, 22. Dezember 2016
 

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