Nebelnetze in Eritrea
Schulkinder trinken Wasser, das mithilfe der Nebelnetze gesammelt wurde

Nebelnetze – ein Projekt wird beendet

Dörfer im Hochland von Eritrea mit Wasser aus Nebel zu versorgen war das Ziel unseres im Sommer 2008 abgeschlossenen Pilotprojekts, das wir gemeinsam mit der Wasserstiftung Ebenhausen finanziert haben. Die Technik hat gut funktioniert. Doch trotz des Erfolgs und des auch weiterhin großen Bedarfs erlauben die Bedingungen vor Ort derzeit keinen weiteren Ausbau.

Rückblick

Anfang 2005 installierte die lokale Partnerorganisation Vision Eritrea unter Anleitung der kanadischen Organisation Fogquest – der Entwicklerin der Technik – in den Dörfern Nefasit und Arberobue nahe der Hauptstadt Asmara mehrere 1 Quadratmeter große Testkollektoren. Die damit gewonnenen Daten zum Wasserertrag dienten als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl der Standorte von je 40 m2 großen Nebelnetzen. Nach vielen Verzögerungen konnten zwischen April und August 2007 jeweils zehn Kollektoren aufgebaut und die Leitungen zu eigens installierten Speicherbehältern fertig gestellt werden.

Aufbau mit Hindernissen
Seit der Nebelsaison 2007/2008 versorgen die beiden Anlagen rund 2500 Schüler und 120 Familien. In den ersten acht Monaten flossen rund 800.000 Liter Wasser in die Speicherbehälter, sogar mehr als vorher prognostiziert. Wasser aus dem Überlauf wird zusätzlich für den Gemüseanbau in kleinen Gärten genutzt.

Das Pilotprojekt hat somit gezeigt, dass die Nebelnetztechnik im Hochland von Eritrea gut funktioniert. Doch der Erfolg war mit viel Geduld hart erkämpft worden. Materialbeschaffung, Aufbau, Wartung und die Bürokratie vor Ort bereiteten große Probleme. Obwohl mehrere offizielle Stellen das Projekt ausdrücklich unterstützen, dauerte die Ausstellung wichtiger Reisegenehmigungen für die Vertreter von Fogquest, der Wasserstiftung und der Münchener Rück Stiftung zum Teil mehrere Monate. Ohne diese Papiere, die erst vor Ort beantragt werden können, durften die Helfer nicht die Hauptstadt verlassen und in die Dörfer reisen – ein Hauptgrund für die schier endlosen Verzögerungen.

Seit 2005 sind die Preise in Eritrea erheblich gestiegen. Die Versorgungslage hat sich insbesondere 2007 noch einmal deutlich verschlechtert. Im Land nicht verfügbare Materialien, die importiert werden mussten, blieben Monate im Zoll liegen. Fahrzeuge und Treibstoff zum Transport der Materialien waren nur schwer zu bekommen. Deshalb lagen die Kosten pro Kollektor am Ende fast doppelt so hoch wie bei ähnlichen Projekten in Südamerika – nur 20 der ursprünglich 40 geplanten Kollektoren konnten aufgebaut werden.

Steile Hänge und starke Winde machten zudem den Aufbau schwieriger als erwartet, einige Netze waren schon nach kurzer Zeit beschädigt. Die gute Nachricht: Vision Eritrea hat auch viel dazugelernt, die Netze können mit einfachen Mitteln repariert werden. Sollte das Projekt wieder aufgenommen werden, ist dies eine wichtige Grundlage für den beschleunigten Aufbau von deutlich mehr Kollektoren in der Region.

Zur Qualitätsbestimmung des gewonnenen Wassers wurde eine chemische Untersuchung durch deutsche Labors in Auftrag gegeben. Diese ergab, dass ausreichend Mineralstoffe enthalten sind, aber noch mehr auf die Reinhaltung von Rohren und Tanks geachtet werden muss. Dieser Befund unterstreicht die Bewertung der Projektpartner, dass die Wartung der Anlagen bisher noch nicht zuverlässig genug sichergestellt ist. Das verwundert nicht, sind doch mittlerweile wichtige Ansprechpartner in den Dörfern und Schulen überraschend nicht mehr vor Ort.

Wir stehen aber nicht allein da mit den Problemen in Eritrea. Die GTZ, der ausführende Arm des Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit, hat Ende 2007 aufgrund der schwierigen Situation vor Ort ihr Büro in Eritrea geschlossen und damit noch erheblich größere Projekte im Wasserbereich aufgegeben.
Wie geht es weiter?

Experten in Eritrea und die Regierung schätzen, dass in der Hochebene rund 800.000 Menschen in Regionen leben, die von der Nebelmelktechnik profitieren könnten. In den nächsten Monaten wird die Wasserstiftung über Vision Eritrea die installierten Systeme weiter im Auge behalten und an der Problembeseitigung sowie der Wartung arbeiten. Zudem ist eine wissenschaftliche Arbeit der Technischen Universität München zur Evaluierung des Projektes in Arbeit. Die politische und wirtschaftliche Lage im Land erlauben uns aber derzeit nicht, die Nebelnetze mit vernünftigem Ressourceneinsatz weiter auszubauen.

Das Nebelnetzprojekt hat trotz der Hindernisse viele Menschen begeistert. Sollten sich die Rahmenbedingungen wieder deutlich verbessern, ist die Münchener Rück Stiftung zu weiterem Engagement bereit. Die Menschen im Hochland von Eritrea brauchen Wasser.

05. September 2008