
Grüne Stadt der Zukunft
Mit naturbasierten Lösungen Klimaresilienz und Lebensqualität steigern
Dialogforum spezial - Münchner Klimaherbst am 19. Oktober 2022
Neue Allianzen schmieden
Prof. Stephan Pauleit (Professor für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, TU München), Stefanie Jühling (Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin), Prof. Elisabeth Merk (Stadtbaurätin von München), Silvia Gonzalez (Leitung Urbanes Grün, Green City e.V.); Moderation: Julia Pfinder (v. l. n. r.).
Oasen ohne Konsumzwang schaffen
Begrünte Fassaden können zur Kühlung von Gebäuden beitragen.
Kleine Veränderungen können beispielsweise die Dachbegrünung, Rückhaltebecken für Wasser oder Versickerungsflächen wie Baumrigolen betreffen. „Bauen ist teuer“, räumte Jühling ein. Doch Bauherren seien durchaus den Ideen einer grüneren Stadt zugänglich. Dabei sind Projekte im Vorteil, bei denen gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften die Baumaßnahmen tragen. Hier kann man eine grüne Infrastruktur in den verschiedenen Planungsphasen – von den ersten informellen Überlegungen bis hin zu den rechtlichen Festsetzungen im Bebauungsplan – leichter berücksichtigen. „Bei einem Innenhof mit zahlreichen Eigentümern ist das deutlich mühseliger“, gab Pauleit zu bedenken. Zumal die wenigsten Bauherren wissen, dass die Stadt München Förderprogramme für begrünte Innenhöfe, Fassaden oder Dächer aufgelegt hat, wie Gonzalez ergänzte.
Hand in Hand mit mehr Grünflächen geht das Prinzip Schwammstadt: Regenwasser soll nicht einfach in der Kanalisation verschwinden, sondern vor Ort versickern oder zurückgehalten werden. „Das ist dringend nötig, weil Bäume ausreichend Wurzelraum und Wasser benötigen“, erläuterte Pauleit.
Eine Schwammstadt braucht ein ganzheitliches Wassermanagementsystem.
Baurecht versus Klimaanpassung
Dass Interessenskonflikte nicht ausbleiben, machte Stadtbaurätin Merk deutlich. „Es gibt eine Vielzahl von Ausschüssen mit unterschiedlicher politischer Besetzung und unterschiedlichen Zielen, so dass die Entscheidungsfindung im Stadtrat nicht immer ganz einfach ist“, weiß sie aus Erfahrung. Zudem könne man der Klimaanpassung nicht einfach oberste Priorität einräumen, sondern müsse sich an geltende Vorschriften und das Baurecht halten. Manche Dinge wie das Wohnungseigentumsgesetz oder die Stellplatzverordnung können Kommunen wie München gar nicht verändern. „Wir brauchen eine stärkere Steuerung auf der übergeordneten gesetzgeberischen Ebene“, forderte sie.
Die Stadtgesellschaft kann also auf vielfältige Weise dazu beitragen, mehr grüne Flächen zu schaffen. Das funktioniert aber nur, wenn Klimaanpassung und Klimaschutz zum Schwerpunkt in der Stadtplanung werden und alle Akteure – Bewohner:innen, Hauseigentümer:innen und Unternehmen – mit ins Boot geholt werden. „Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bereits einiges zum Positiven entwickelt, sonst sähe die Stadt heute anders aus“, ist Merk überzeugt.
Rund 60 Zuhörer:innen vor Ort und 60 Online-Teilnehmer:innen durften wir begrüßen.
Was künftig noch möglich ist, zeigt ein Blick nach Kopenhagen. Dort wurde die Stadtplanung im Konsens mit der Bevölkerung darauf ausgerichtet, die Stadt grüner zu gestalten und der Ausbau klimafreundlicher Mobilität vorangetrieben. Mit Erfolg: Die Europäische Kommission hat Kopenhagen im Jahr 2014 den Titel der Umwelthauptstadt Europas verliehen. Die Dänen machen offenbar vieles richtig. Höchste Zeit, dass sich Städte wie München etwas davon abschauen.
03 November 2022
