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Kommunen klimafit machen –
wie Anpassung unsere Gesundheit schützt
Dialogforum in Kooperation mit Munich Science Communication Lab und KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit
21. Mai 2026 | 18:00 Uhr | München
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Hitze, Starkregen, Pollenallergien – der Klimawandel bedroht unsere Gesundheit auf vielfältige Weise. Wie können Städte und Gemeinden als zentraler Lebensraum dazu beitragen, die Bevölkerung vor diesen Gesundheitsrisiken zu schützen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Dialogforums, das anlässlich der Ausstellung „Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet“ im Deutschen Museum München stattfand.
In ihrem Impulsvortrag umriss Prof. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich, die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit. „Im Moment ist Hitze noch das wesentliche Risiko, aber auch die Bedrohung durch Starkregen nimmt zu.“ Exemplarisch führte sie die Hitzewelle von 2003 an, die in Europa insgesamt schätzungsweise mehr als 30.000 Todesopfer gefordert habe, vor allem aufgrund von Herz-Kreislauf-Versagen und Atemwegserkrankungen. Dass der Klimawandel Deutschland besonders betrifft, habe man vor wenigen Jahren noch nicht erwartet. „Wir liegen beim Temperaturanstieg deutlich höher als der globale Durchschnitt“, machte sie deutlich.
Lokales Handeln ist in der Klimakrise so wichtig!
Lokales Handeln entscheidend
In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei die Hitze in Wellen aufgetreten und habe die verschiedenen Regionen unterschiedlich stark betroffen, wobei der Schwerpunkt im Osten und Süden Deutschlands gelegen habe. Dabei gilt: Je länger es heiß ist, desto höher ist die Sterblichkeit, weil die Nächte keine Abkühlung mehr bringen und sich die Hitze in den Häusern staut. „Deswegen ist lokales Handeln in der Klimakrise so wichtig“, sagte sie. Vor allem dicht bebaute Städte wie Berlin müssten gegensteuern, um besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere oder Kleinkinder zu schützen. Auch sozial isolierte Menschen oder Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status seien besonders betroffen, gab Peters zu bedenken.
Als ein Vorreiter bei der kommunalen Klimaanpassung in Deutschland gilt Heidelberg. „Bereits seit den 1990er-Jahren haben wir Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen eingeleitet“, erklärte Raoul Schmidt-Lamontain, Heidelbergs Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität. Dabei sei in den vergangenen Jahren der Schutz der Gesundheit zunehmend in den Vordergrund gerückt. Dazu zählen die nachträgliche Anpassung in Form von Entsiegelung und Begrünung ebenso wie die klimagerechte Planung von Neubauten, um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Ein wichtiger Bestandteil ist der eigens entwickelte Heidelberger Klimascanner, der eine automatische klimaökologische Vorab-Bewertung von Baumaßnahmen ermöglicht. So kann bereits bei der Planung ein möglichst angepasstes, gesundheitsförderliches Mikroklima sichergestellt werden. Dies weckt auch das Interesse von Vermietern, die eine langfristig gute Wohnqualität anstreben.
Bereits seit den 1990er-Jahren haben wir Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen eingeleitet
Stadtplanung neu denken
Unsere Simulationen unterschiedlicher Szenarien haben gezeigt, dass wir mit einer Mischung aus Fassadenbegrünung und nachträglicher Grünpflanzung die Folgen der Klimaerwärmung in der Stadtplanung bis 2080 kompensieren können. Das war ein hoffnungsbringendes Ergebnis
Neue Gesundheitsrisiken durch Tigermücke und Pollen
Viele Bedrohungen für die Gesundheit, wie aggressivere Pollen oder das Auftreten der asiatischen Tigermücke, rücken erst nach und nach ins Bewusstsein. Auch darüber müsse man aufklären. Hitzeaktionspläne seien hilfreich, für sich allein gesehen aber nach Ansicht von Zurek nicht ausreichend. Sie können jedoch dazu beitragen, besonders gefährdete Gruppen zu schützen. Laut Peters dürfe man den Einfluss anderer Faktoren wie die Luftverschmutzung nicht aus den Augen verlieren. „Hier wurden die Grenzwerte in Europa zwar verschärft, sie kommen aber erst ab 2030 zum Tragen“, kritisierte sie.
Für die grüne Stadt der Zukunft gilt es, Wachstum mit den vorhandenen Strukturen und den Erfordernissen der Klimaanpassung in Einklang zu bringen. „Da kommen wir schnell in einen kritischen Bereich, weil man einerseits mehr Grün und andererseits mehr Wohnraum schaffen will“, räumte Lang ein. Im Rahmen eines Wettbewerbs im Stadtteil Moosach habe man jedoch gezeigt, dass Nachverdichtung und mehr Grün vereinbar seien, wenn alle Akteure von vornherein zusammenarbeiten. So könnten durch den gezielten Einsatz von Mobility Hubs die Autos von der Straße verschwinden und Platz für mehr Grün schaffen. Zudem müssten bei der Aufstockung Frischluftschneisen beachtet und die gegenseitige Verschattung berücksichtigt werden.
Denksperren überwinden
Das Problem dabei ist jedoch: Wie kommen übergreifende Bündnisse zustande? In München bespricht der Klimarat der Stadt auf verschiedenen Ebenen die relevanten Themen, wobei es auch um Gerechtigkeit geht. „Man muss einen Konsens finden, der realisierbar und für alle tragbar ist“, gab Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek die Richtung vor. Man müsse auch Denksperren überwinden, um kreative Lösungen zu finden. Sie nannte einen Spaziergang über die grüne Oase des Waldfriedhofs als Beispiel: „Das ist fast wie ein Spaziergang im Alpenvorland.“ Auch der sogenannte Gebäudetyp E als Planungsansatz im Baurecht – das „E“ steht für „einfach“ oder „experimentell“ – ist nach Ansicht von Lang als Testobjekt dazu geeignet, neue Wege bei Bauvorhaben zu beschreiten. „Wir müssen einen Paradigmenwechsel vollziehen und den Menschen ins Zentrum stellen, wenn wir bauen“, ergänzte die Epidemiologin Peters.
Ein entscheidendes Hemmnis bei der nachträglichen Begrünung ist der knappe Platz im Untergrund. „Das Wurzelwerk eines Baums ist in etwa so groß wie seine Krone“, gab Bürgermeister Schmidt-Lamontain zu bedenken. In Heidelberg wurde die Baumschutzverordnung deshalb so angepasst, dass bestimmte Bäume über kritischen Leitungen nicht mehr geschützt sind, um den Zugang zu erleichtern. Im Notfall dürften diese Bäume dann ohne die ansonsten hohen Umweltauflagen gefällt werden. Das sei aber immer noch besser, als gar keine Bäume zu pflanzen, betonte Schmidt-Lamontain.
Wir müssen das Thema insgesamt ernster nehmen und Städte und Gemeinden finanziell unterstützen, damit sie die Maßnahmen zur Klimaanpassung auch realisieren können
Klimaschutz ist Gesundheitsschutz
Panel
Impulsvortrag: "Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit - Evidenzen und Ansätze für lokales handeln"
Prof. Annette Peters
Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich; Professorin für Epidemiologie, IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München; Vorsitzende der NAKO Gesundheitsstudie
Podiumsdiskussion:
Beatrix Zurek
Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München
Prof. Annette Peters
Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich; Professorin für Epidemiologie, IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München; Vorsitzende der NAKO Gesundheitsstudie
Raoul Schmidt-Lamontain
Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, Stadt Heidelberg
Prof. Werner Lang
Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen, Technische Universität München
Moderation:
Renate Bleich
Geschäftsführerin, Münchener Rück Stiftung
