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© Oliver Jung / Munich Re Foundation

Kommunen klimafit machen –
wie Anpassung unsere Gesundheit schützt

Dialogforum in Kooperation mit Munich Science Communication Lab und KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit

21. Mai 2026 | 18:00 Uhr | München

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    Hitze, Starkregen, Pollenallergien – der Klimawandel bedroht unsere Gesundheit auf vielfältige Weise. Wie können Städte und Gemeinden als zentraler Lebensraum dazu beitragen, die Bevölkerung vor diesen Gesundheitsrisiken zu schützen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Dialogforums, das anlässlich der Ausstellung „Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet“ im Deutschen Museum München stattfand. 

    In ihrem Impulsvortrag umriss Prof. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich, die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit. „Im Moment ist Hitze noch das wesentliche Risiko, aber auch die Bedrohung durch Starkregen nimmt zu.“ Exemplarisch führte sie die Hitzewelle von 2003 an, die in Europa insgesamt schätzungsweise mehr als 30.000 Todesopfer gefordert habe, vor allem aufgrund von Herz-Kreislauf-Versagen und Atemwegserkrankungen. Dass der Klimawandel Deutschland besonders betrifft, habe man vor wenigen Jahren noch nicht erwartet. „Wir liegen beim Temperaturanstieg deutlich höher als der globale Durchschnitt“, machte sie deutlich.

    Eine Frau spricht in einer Diskussionsrunde, umgeben von weiteren Personen an einem Tisch.
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    Lokales Handeln ist in der Klimakrise so wichtig!
    Prof. Annette Peters
    Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich

    Lokales Handeln entscheidend

    In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei die Hitze in Wellen aufgetreten und habe die verschiedenen Regionen unterschiedlich stark betroffen, wobei der Schwerpunkt im Osten und Süden Deutschlands gelegen habe. Dabei gilt: Je länger es heiß ist, desto höher ist die Sterblichkeit, weil die Nächte keine Abkühlung mehr bringen und sich die Hitze in den Häusern staut. „Deswegen ist lokales Handeln in der Klimakrise so wichtig“, sagte sie. Vor allem dicht bebaute Städte wie Berlin müssten gegensteuern, um besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere oder Kleinkinder zu schützen. Auch sozial isolierte Menschen oder Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status seien besonders betroffen, gab Peters zu bedenken.

    Als ein Vorreiter bei der kommunalen Klimaanpassung in Deutschland gilt Heidelberg. „Bereits seit den 1990er-Jahren haben wir Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen eingeleitet“, erklärte Raoul Schmidt-Lamontain, Heidelbergs Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität. Dabei sei in den vergangenen Jahren der Schutz der Gesundheit zunehmend in den Vordergrund gerückt. Dazu zählen die nachträgliche Anpassung in Form von Entsiegelung und Begrünung ebenso wie die klimagerechte Planung von Neubauten, um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Ein wichtiger Bestandteil ist der eigens entwickelte Heidelberger Klimascanner, der eine automatische klimaökologische Vorab-Bewertung von Baumaßnahmen ermöglicht. So kann bereits bei der Planung ein möglichst angepasstes, gesundheitsförderliches Mikroklima sichergestellt werden. Dies weckt auch das Interesse von Vermietern, die eine langfristig gute Wohnqualität anstreben. 

    Drei Personen sitzen an einem Tisch, diskutieren, mit Wasserflaschen und Gläsern vor ihnen. Hintergrund ist neutral.
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    Bereits seit den 1990er-Jahren haben wir Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen eingeleitet
    Raoul Schmidt-Lamontain
    Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, Stadt Heidelberg

    Stadtplanung neu denken

    Prof. Werner Lang, Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen an der Technischen Universität München, nannte Einzelheiten, wie klimagerechtes Bauen funktionieren kann. Demnach hat jedes Stadtviertel – ob eng bebaute mittelalterliche Kerne, Viertel mit lockerer Bebauung oder Siedlungen aus den 60er- und 70er-Jahren – seine eigenen Anforderungen. Dachbegrünung sei wichtig, bleibe für Fußgänger aber nutzlos. „Bäume bringen nur dann etwas, wenn sie an der richtigen Stelle stehen, um die Überhitzung der Gebäude zu verhindern“, so Lang. Entscheidend sei, sie nicht zwischen den Häuserzeilen, sondern vor der Fassade zu platzieren. „Unsere Simulationen unterschiedlicher Szenarien haben gezeigt, dass wir mit einer Mischung aus Fassadenbegrünung und nachträglicher Grünpflanzung die Folgen der Klimaerwärmung in der Stadtplanung bis 2080 kompensieren können. Das war ein hoffnungsbringendes Ergebnis“, freute er sich. Man sollte auch nicht vergessen, die sogenannte blaue Infrastruktur für die Wasserversorgung von Anfang an zu integrieren. Dann habe man die Möglichkeit, positiv auf das Wohlbefinden der Menschen zu wirken.
    Zwei Personen sitzen an einem Tisch, im Hintergrund ein Banner mit dem Text "Dialogforen".
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    Unsere Simulationen unterschiedlicher Szenarien haben gezeigt, dass wir mit einer Mischung aus Fassadenbegrünung und nachträglicher Grünpflanzung die Folgen der Klimaerwärmung in der Stadtplanung bis 2080 kompensieren können. Das war ein hoffnungsbringendes Ergebnis
    Prof. Werner Lang
    Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen, Technische Universität München
    Neben der Begrünung ist es entscheidend, Kenntnisse über das richtige Verhalten bei Hitze zu vermitteln. München hat zu diesem Zweck eine eigene Website eingerichtet, wie Beatrix Zurek, Gesundheitsreferentin der bayerischen Landeshauptstadt, berichtete. Dort finden sich Informationen über kühle Orte, Grünflächen oder Trinkbrunnen, die heiße Tage erträglicher machen. „Eine unserer ersten Maßnahmen war es, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit Tipps zu versorgen.“ Und weil die Dinge miteinander verwoben sind, sei das referatsübergreifende Zusammenwirken im Rahmen des One-Health-Ansatzes – des Zusammenwirkens von Mensch, Tier und Umwelt – ein wesentlicher Faktor. 

    Neue Gesundheitsrisiken durch Tigermücke und Pollen

    Viele Bedrohungen für die Gesundheit, wie aggressivere Pollen oder das Auftreten der asiatischen Tigermücke, rücken erst nach und nach ins Bewusstsein. Auch darüber müsse man aufklären. Hitzeaktionspläne seien hilfreich, für sich allein gesehen aber nach Ansicht von Zurek nicht ausreichend. Sie können jedoch dazu beitragen, besonders gefährdete Gruppen zu schützen. Laut Peters dürfe man den Einfluss anderer Faktoren wie die Luftverschmutzung nicht aus den Augen verlieren. „Hier wurden die Grenzwerte in Europa zwar verschärft, sie kommen aber erst ab 2030 zum Tragen“, kritisierte sie.

    Für die grüne Stadt der Zukunft gilt es, Wachstum mit den vorhandenen Strukturen und den Erfordernissen der Klimaanpassung in Einklang zu bringen. „Da kommen wir schnell in einen kritischen Bereich, weil man einerseits mehr Grün und andererseits mehr Wohnraum schaffen will“, räumte Lang ein. Im Rahmen eines Wettbewerbs im Stadtteil Moosach habe man jedoch gezeigt, dass Nachverdichtung und mehr Grün vereinbar seien, wenn alle Akteure von vornherein zusammenarbeiten. So könnten durch den gezielten Einsatz von Mobility Hubs die Autos von der Straße verschwinden und Platz für mehr Grün schaffen. Zudem müssten bei der Aufstockung Frischluftschneisen beachtet und die gegenseitige Verschattung berücksichtigt werden. 

    Fragen aus dem Publikum sind Kern unserer Dialogforen

    Denksperren überwinden

    Das Problem dabei ist jedoch: Wie kommen übergreifende Bündnisse zustande? In München bespricht der Klimarat der Stadt auf verschiedenen Ebenen die relevanten Themen, wobei es auch um Gerechtigkeit geht. „Man muss einen Konsens finden, der realisierbar und für alle tragbar ist“, gab Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek die Richtung vor. Man müsse auch Denksperren überwinden, um kreative Lösungen zu finden. Sie nannte einen Spaziergang über die grüne Oase des Waldfriedhofs als Beispiel: „Das ist fast wie ein Spaziergang im Alpenvorland.“ Auch der sogenannte Gebäudetyp E als Planungsansatz im Baurecht – das „E“ steht für „einfach“ oder „experimentell“ – ist nach Ansicht von Lang als Testobjekt dazu geeignet, neue Wege bei Bauvorhaben zu beschreiten. „Wir müssen einen Paradigmenwechsel vollziehen und den Menschen ins Zentrum stellen, wenn wir bauen“, ergänzte die Epidemiologin Peters.

    Ein entscheidendes Hemmnis bei der nachträglichen Begrünung ist der knappe Platz im Untergrund. „Das Wurzelwerk eines Baums ist in etwa so groß wie seine Krone“, gab Bürgermeister Schmidt-Lamontain zu bedenken. In Heidelberg wurde die Baumschutzverordnung deshalb so angepasst, dass bestimmte Bäume über kritischen Leitungen nicht mehr geschützt sind, um den Zugang zu erleichtern. Im Notfall dürften diese Bäume dann ohne die ansonsten hohen Umweltauflagen gefällt werden. Das sei aber immer noch besser, als gar keine Bäume zu pflanzen, betonte Schmidt-Lamontain.

    Eine Person in rotem Blazer spricht, während andere Personen am Tisch zuhören. Hintergrund unscharf.
    © Oliver Jung / Munich Re Foundation
    Wir müssen das Thema insgesamt ernster nehmen und Städte und Gemeinden finanziell unterstützen, damit sie die Maßnahmen zur Klimaanpassung auch realisieren können
    Beatrix Zurek
    Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München

    Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

    Enorme Anstrengungen sind nötig, um die Kommunen klimafit zu machen und die Gesundheit der Menschen zu schützen. Die Maßnahmen müssen jedoch mit veränderten Lebensgewohnheiten flankiert werden, wie sie in südlichen Ländern üblich sind: längere Sommerferien, Siesta in der heißen Mittagszeit, mehr Leben unter schattigen öffentlichen Plätzen. Dass Klimaschutz zugleich Gesundheitsschutz ist, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt hat, daran besteht kein Zweifel. „Wir müssen das Thema insgesamt ernster nehmen und Städte und Gemeinden finanziell unterstützen, damit sie die Maßnahmen zur Klimaanpassung auch realisieren können“, appellierte Zurek.
    Video des Dialogforums
    Münchener Rück Stiftung
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    Panel

    Impulsvortrag: "Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit - Evidenzen und Ansätze für  lokales handeln" 

    Prof. Annette Peters
    Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich; Professorin für Epidemiologie, IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München; Vorsitzende der NAKO Gesundheitsstudie

     

    Podiumsdiskussion:

    Beatrix Zurek
    Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München

    Prof. Annette Peters
    Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Munich; Professorin für Epidemiologie, IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München; Vorsitzende der NAKO Gesundheitsstudie

    Raoul Schmidt-Lamontain
    Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, Stadt Heidelberg

    Prof. Werner Lang
    Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen, Technische Universität München

     

    Moderation:

    Renate Bleich
    Geschäftsführerin, Münchener Rück Stiftung